16 Gedanken zu “Akathisie, oder „dauernde Bewegungsunruhe“

  1. Peter Teuschel 11. August 2020 / 16:52

    Hi Jan,

    mein einziger Verbesserungsvorschlag bezieht sich auf den Flüchtigkeitsfehler Propanolol (statt Propranolol).

    Liebe Grüße

    Peter

    • Dr. Jan Dreher 11. August 2020 / 17:34

      Hi Peter! Vielen Dank; dieser Fehler hätte es sonst wahrscheinlich ins Buch geschafft… Danke!

  2. Ruth Dellhofen 11. August 2020 / 16:57

    Psychopharmaka inkl Neuroleptika haben keine Berechtigung zur Langzeittherapie. Langzeit ist theoretisch alles ab 3 Wochen, wenn auch die Abhängigkeit eintritt.
    Es gibt heute mehr als genügend Studien zu Schaden-Nutzen, die deutl. contra Nutzen ausfallen. 20-30 Jahre verkürzte Lebenszeit, Nebenwirkungen, die von euch Psychiatern als die Krankheit oder neue Diagnosen mit Hang zum Polydrugging gewertet werden. Nein danke! Ich schätze Sie als moderneren Psychiater als viele es sind, aber dennoch: psychiatry is a non essential-business

    Es geht hier nicht um wissenschaftlich belegte Fakten, sondern um Uraltannahmen zum Schaden der Patienten.

    • Markus 12. August 2020 / 07:23

      Das kann man so nicht unkommentiert stehenlassen. Natürlich muss man die Indikation der neuroleptischen Behandlung auch bei Langzeitbehandlung immer wieder kritisch prüfen, die Dosis möglichst niedrig wählen und sich mit dem Patienten für ein Präparat mit möglichst guter Verträglichkeit entscheiden.
      Aber für nicht wenige Patienten ist eine neuroleptische Langzeittherapie die einzige Chance auf ein glückliches, erfülltes Leben.
      Zudem besteht bei unbehandelten Psychosen immer das Risiko von fremdgefährdenden Fehlhandlungen, die besonders spektakulären schaffen es auch immer wieder in die Bildzeitung.

  3. Inken Stefani 11. August 2020 / 17:39

    Hallo, ich lerne gerade für die Psychotherapie Prüfung und mir persönlich gefallen die anderen Nebenwirkungen auch nicht besser (Spätdyskinesien, Blasenentleerungsstörung, Risiko für metabolisches Syndrom, usw.) ich meine nur, weil gesagt wird am Anfang, es wären die unangenehmsten. Immerhin ist die Akathisie ja reversibel. Bin übrigens riesen Psychcast Fan. LG

  4. Dr. Jan Dreher 12. August 2020 / 08:54

    Habe folgendes eingebaut:

    Differentialdiagnose
    Abzugrenzen ist die Akathisie unter anderem vom Restless-legs-Syndrom (RLS). Beim RLS sind fast ausschließlich die Beine betroffen, es tritt zumeist erst abends in der Einschlafphase und in der Nacht auf, ist oft mit Schmerzen in den Beinen verbunden und wird bei Bewegung kurzfristig besser. Anders als bei der Akathisie können Opioide und Dopaminagonisten die Symptomatik verbessern, SSRI können die Symptomatik verschlechtern.

    • Cai Niklaas Feldmann 27. August 2020 / 20:33

      Da das RLS immer wieder falsch verstanden wird, würde ich mich über etwas mehr Erklärung freuen.
      Es ist eher eine Schmerzstörung, bzw. neurologische Erkrankung, die nicht direkt was mit „unruhigen Beinen“ zu tun hat, wie man vermuten könnte. Es ist eine Schmerzstörung, bei der der Schmerz bei längerer Ruhe zunimmt und erst wieder abflaut, wenn man die Beine wieder in Bewegung bringt. Daher der Name – und weil man nachts nun mal gerne liegt, ist es etwas, was v.a. abends/nachts bemerkt wird. Tatsächlich würden die Beine aber auch bei einem Mittagsschlaf weh tun.
      Außerdem wäre es wahrscheinlich günstiger, wenn Dopaminagonisten und Pregabalin/Gabapentin zuerst genannt werden und die Opoide, die ja eher symptomatisch gegen die Schmerzen wirken, als letzte Möglichkeit genannt werden. Und, zu guter Letzt, sind es quasi alle Psychopharmaka, die negative Auswirkungen auf das RLS haben können, weshalb man als Psychiaterin oder Psychiater IMMER und bei JEDEM (Psych-)Medikament ganz genau aufpassen muss, wenn die Patientin oder der Patient von einem RLS berichtet. Bupropion hat keine Auswirkungen auf ein RLS, Agomelatin, meine ich, auch nicht.

      Unter dem Gesichtspunkt, dass Schmerzen depressive Symptome drastisch verschlimmern können, ist das eine unfassbar wichtige Anmerkung! Ich habe eine Patientin gesehen, die RLS hatte und anfangs nur leichte depressive Symptome. Wegen der falschen Medikation hat sich aber das RLS verschlimmert, wodurch sie letztlich auch eine schwere Depression entwickelt hat.

      • Cai Niklaas Feldmann 27. August 2020 / 20:35

        Entschuldigung – Sandwich Technik vergessen. 😉
        Wunderbarer Text! Ich freue mich schon, es nicht mehr nur als Vorabversion lesen zu müssen.

  5. Iris Heffmann 22. August 2020 / 21:05

    Das Thema ist meiner Ansicht nach komplexer. Ich finde interessant, was das Rxisk Team dazu schreibt

    https://rxisk.org/akathisia/

    Akathisia is often misleadingly described as a movement disorder.

    Symptoms of akathisia can include:

    anxiety or agitation
    restlessness
    feeling emotionally uneasy
    dysphoria – feeling bad or depressed
    difficulty sleeping
    distress or panic attacks
    difficulty sitting still; feeling the need to keep moving eg. pacing back and forth
    a feeling of wanting to jump out of your skin
    dark and unpleasant thoughts
    strange and unusual impulses, often of an aggressive nature
    homicidality
    suicidality
    Sufferers often find it very difficult to explain exactly what is wrong, even though they may be in unbearable distress.

  6. KAYFIX 24. Oktober 2020 / 07:38

    Akathisie bedeutet typischerweise Sitz-Unruhe. Dabei gibt es natürlich auch psychische Symptome, aus der Sicht des Psychiaters (klassischerweise, weil in dessen Behandlungs-setting noch immer häufig APs eingesetzt werden, welche diese Nebenwirkung besonders häufig und stark hervorrufen). Im Vordergrund steht jedoch die Bewegungsunruhe/Sitzunruhe. Diese ist reversibel, jedoch nicht, wenn die Medikation nicht geändert wird.

  7. Christoph 9. August 2021 / 15:35

    Hallo,

    Ich habe jetzt bei Abilify 20 mg, Olanzapin 15 mg und bei Risperidon 3mg+Amisulprid 300mg diese Sitzunruhe. Dosisreduktion geht bei mir nicht.
    Gibt es Neuroleptika, die eher weniger Akathisie fördern oder gibt es eine Liste, die aufzeigt, wie akathisiefördernd Neuroleptika sind?Wo finde ich mehr Informationen dazu?

    • Romy 9. Oktober 2021 / 10:56

      das ist ja ein verrückte Kombination. Nicht zuletzt ist die Kombination aus Aripiprazol und Risperidon sinnlos das Abilify Risperdal antagonisiert….Rede nochmal mit deinem Psychiater. Eventuell Leponex bzw Monotherapie aufdosieren. LG

  8. Janina 11. Juli 2024 / 14:06

    Ein später Kommentar….ich weiss nicht ob es zu spät für ihr Buch ist aber……. https://akathisiaalliance.org/

    Akathisie wird oft nicht erkannt oder fehldiagnostiziert unter anderem auch weil die spezielle…Unruhe… der Akathisie qualitativ nicht genug beschrieben wird und oft mit beispielweise einer Angststörung verwechselt wird.

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