Wenn Du Psychotherapie machst, sollst Du Dich verhalten, wie wenn Du auf einer Reise bist

Tempel in Bali
Tempel in Bali

In der Psychotherapie sind sowohl der Psychotherapeut als auch der Patient in einer ganz besonderen Situation. Diese erfordert ein ganz besonderes, achtsames Verhalten. Das Verhalten beider ist sehr ähnlich wie das, das man haben sollte, wenn man auf einer Reise in einem wirklich anderen Kulturkreis ist. Beide sollten

  • sehr sehr achtsam sein
  • das, was sie sehen und erleben vorurteilsfrei annehmen und wertschätzen
  • freundlich sein
  • stets darauf vorbereitet sein, dass auch etwas sehr unerwartetes passieren kann
  • bereit sein, neue Wege zu erkunden
  • sich Zeit lassen
  • dankbar für den Moment sein, etwas besonderes zu erleben
  • achtsam sein
  • achtsam sein

Diese Haltung hat sich auf Reisen bewährt. Sie bewährt sich auch auf der Reise, die man in der Psychotherapie gemeinsam unternimmt. Sie bewährt sich für Patienten. Und sie bewährt sich für Psychotherapeuten.

Wir basteln uns ein glückliches Leben Teil 718: Die Wunschliste

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Und so wirds gemacht:

+ Du nimmst dir einen Zettel, dein Lieblings-Notizbuch oder dein heißgeliebtes Handy.
+ Du schreibst deine Wünsche auf. Gegenstände, Unternehmungen und ganz andere Sachen. Dinge, die du begehrst.
+ Du schreibst auch die Wünsche deiner Liebsten auf.
+ Nun wird es spannend. Im nächsten Schritt erfüllst du dir oder einem deiner Liebsten immer mal wieder einen dieser Wünsche. Und auch das notierst Du auf deiner Wunschliste: Wünsche, die Du Dir oder anderen erfüllt hast.
+ Und schon bald wirst du merken, dass sich ein glückliches Gefühl einstellt. Du siehst, wie viele Wünsche Du dir und deinen liebsten erfüllt hast.
+ enjoy!

Garten der Sinne oder Achtsamkeitsübungen für Kinder und Erwachsene

Heute war ich im Schloss Freudenberg bei Wiesbaden. Ein Spaziergang auf Stelzen zur Riesenschaukel, große Figuren im Park und tausend Spielsachen für Erwachsene und Kinder laden schon vor Betreten des Schlosses ein, sinnliche Erfahrungen zu machen. Im Schloss finden sich dann weitere überraschende Experimente und Spiele, alles zum ausprobieren und spielen.
Im Keller fand ich dann – neben dem Raum für die Klangmeditation – die Dunkelbar. Das Konzept kennt ihr: Es ist absolut dunkel. Stockdunkel. Also eben komplett absolut total dunkel. Der Kellner ist blind und hilft etwas bei der Orientierung. Als ich hineinging, wußte ich natürlich erst mal nicht, wo Stuhl und Tisch sind. Der Kellner hilft. Und als ich saß und durch tasten und klopfen die Tischplatte lokalisiert hatte, fühlte ich mich schon etwas sicherer. Und dann hilft sprechen, um sich mit den anderen abzustimmen. Und das gelingt nach kurzer Anlaufzeit auch kleinen Kindern. Kakao trinken und Kuchen essen geht erstaunlich problemlos im Dunkeln, selbst bezahlen funktioniert; 5 € Scheine sind auffällig klein, 10 € Scheine sind kleiner als 20 und 50 € Scheine.
Natürlich war ich auch wieder sehr froh, als ich zurück ans Licht kam. Aber es war sehr spannend. Und es fokussiert knallhart die Sinne.
Ähnliches gibt es in Köln und Berlin: Unsichtbar, in Frankfurt: Dialog im Dunkeln und in vielen anderen Städten.

Achtsamkeit

Wenn man möchte, kann man alle diese sinnlichen Spiele, insbesondere das Essen im Dunkeln, auch als Achtsamkeitsübung wahrnehmen. Achtsamkeitsübungen spielen nicht nur im Rahmen der DBT Behandlung eine Rolle, sondern helfen immer dann, wenn man sich auf sich selbst, auf seine Sinneswahrnehmungen konzentrieren und fokussieren möchte.

Was sind Eure liebsten Achtsamkeitsübungen? Schreibt sie in die Kommentare!

Willkommen in meiner Blogroll Dienstarzt

Dienstarzt

Lieber Dienstarzt, willkommen in meiner Blogroll!

Als niedergelassener Schweizer Allgemeinmediziner berichtet der Dienstarzt über ein breites Spektrum an Themen. Ich lese ihn schon länger, besonders lesenswert finde ich seinen neuen Eintrag über das DSM–5 und das Leben als medizinischer Auswanderer in die Schweiz.

Ich wollte schon länger mal einen Artikel darüber schreiben, ob Tavor® expidet (lorazepam sublingual) wirklich schneller wirkt als normales Tavor, und nach wieviel Minuten mit einer pharmakologischen Wirkung zu rechnen ist. Könnt Ihr aber bereits seit 2009 beim Dienstarzt nachlesen… 🙂 Und da ist alles gesagt, muss ich nicht ergänzen.

blogroll (check)

subscribe: http://dienstarzt.wordpress.com

Pharmama zum neuen DSM

Vor die Therapie haben die Götter die Diagnose gestellt

Pharmama hat mir mit diesem Artikel ganz aus der Seele geschrieben. Das neue DSM-5 ist zu Recht nicht unumstritten.

Es gibt auch jetzt schon – völlig unabhängig vom Diagnosesystem – eine große Neigung, die ganz normale Lebensbewältigung gleich als Depression zu behandeln, jede Sorge zur Angststörung zu machen und jede Gefühlsregung außer der satten Zufriedenheit gleich zur Impulskontrollstörung zu machen; – und natürlich sofort nach einer Tablette dagegen zu schreien. Das neue DSM steht hier in der Gefahr, durch in Teilbereichen recht niedrige Diagnoseanforderungen eine Pseudoobjektivität für Diagnoseliebhaber zu liefern.

Es liegt in der Verantwortung der diagnostizierenden Ärzte, eben nicht jedes Wehwehchen überzudiagnostizieren, sondern nur die Beschwerden zu Krankheiten zu erklären, die das auch wirklich sind. Und wir wissen: Das wird nicht jeder in gleicher Weise tun, obwohl genau das die Grundidee eines einheitlichen Diagnosekriterienkataloges ist: Die Willkür abschaffen und einheitliche Kriterien zu formulieren. Diese sollten auch meiner Meinung nach dann natürlich hoch genug gehängt werden, um behandelbare Krankheiten auf der einen Seite zu trennen von Befindlichkeitsstörungen und Verhaltensvarianten auf der anderen Seite.

Die Verantwortung, eine Diagnose nur dann zu stellen, wenn das Gesamtbild der Beschwerden und des Leidens dies rechtfertigt und wenn die Diagnose eine Hilfe zur Therapie darstellt, bleibt bei jedem Diagnosesystem bei den einzelnen Ärzten und Psychologen.

Mögen sie weise damit umgehen…

Alternativen zur Traumatisierung

Liebe Psychoszene!
In den letzten Jahren haben sich viele von Euch angewöhnt, bei jeder mittleren Belastung eine “Traumatisierung”, bei Schwierigkeiten eine “schwere Traumatisierung” und bei ernsthaften Widrigkeiten eine “schwerste Traumatisierung” zu sehen und das den Leuten auch mit genau diesen Begriffen ins Gehirn zu brennen.
Nun fangen Gedanken, Gefühle und Selbstbilder aber eben mit Worten an, und diese formen unsere inneren Konzepte. Es ist daher wichtig, mit Worten sorgsam und differenziert umzugehen. Manche Dinge im Leben sind einfach

  • doof
  • unangenehm
  • lästig
  • mühselig
  • unerfreulich
  • anstrengend
  • belastend
  • eine schwere Kindheit
  • Stress am Arbeitsplatz
  • erschreckend
  • erschütternd
  • schwierig
  • verstörend
  • beängstigend
  • besorgniserregend
  • schlimm
  • furchtbar
  • schrecklich
  • dramatisch
  • oder ein großer Verlust.

In diesen Fällen bitte diese Worte verwenden.
Andere Dinge sind “traumatisierend”. Bitte in diesen Fällen und nur in diesen Fällen diesen Begriff in die Menschen einpflanzen.
Der Begriff “traumatisiert” ist wie sehr viele vom professionellen System verwendete Worte eine mechanistische Analogie zu physikalischen oder körperlichen Prozessen. Das Trauma kennt man in der Medizin ursprünglich von Unfällen, in denen ein oft schwerer mechanischer Gewebedefekt entsteht. Dieser kann heilen, verheilt aber oft nicht vollständig, das heißt, der Begriff impliziert die Vermutung der teilweisen Irreversibilität. 1990 wurde der Begriff der “Psychotraumatologie” in die Welt gesetzt. Und dieser Begriff hat auch seine Berechtigung. Es gibt singuläre und es gibt wiederholte Ereignisse, die eine gesunde Psyche so erheblich verletzen, dass selbst nach einer langen Heilung nicht sicher ist, ob nicht Narben oder Funktionseinbußen zurückbleiben.
Aber man darf nicht übersehen, dass die menschliche Psyche eben keine starre Maschine ist und daher sehr weitreichende Möglichkeiten hat, zu heilen und sich neu zu organisieren. Wenn einem ein Hai in die Wade beißt und ein Stück Muskelfleisch herausreißt, wird diese Wade auch nach langer Heilung nicht mehr so aussehen, wie vorher. Auch nach einer psychischen Verletzung ist man nachher nicht unbedingt derselbe wie zuvor. Vielleicht ist man aber stärker, bewusster und auf die eine oder andere Art “gewachsen”.
Von vielen wird der Begriff “Traumatisierung” mit einem sehr negativen Script verknüpft. Das Script enthält oft die Elemente Opfer, Irreversibilität und dem sich Abfinden mit Funktionseinschränkungen. Das kann manchmal richtig sein, oft ist es aber auch unpassend.
Ich möchte daher jeden bitten, anderen Menschen den Begriff und das Konzept der “Traumatisierung” nur noch dann ins Gehirn zu pflanzen, wenn er zuvor mindestens 15 Sekunden darüber in Ruhe nachgedacht hat und alle milderen Alternativen aus gutem Grund verworfen hat. Und in diesem Fall soll er eine angemessene Hilfestellung anbieten.
Alles andere kann traumatisierend wirken.

DragonDictate 3 für Mac Deutsch

Regelmäßige Leser dieses blogs wissen, dass ich nichts unversucht lasse, die Produktivität aller Mac-Gadgets für meine Zwecke auszuprobieren. Mein neuestes Spielzeug ist die Spracherkennungssoftware DragonDictate für Mac in der Version 3.

Dieses Video zeigt einen kurzen Test, wie gut sich DragonDictate 3 für Mac in Deutsch gegenwärtig in der Spracherkennung von Umgangssprache und Fachsprache schlägt.

Korrektes Wording in der Psychiatrie

In Arztbriefen liest man ja immer mal wieder Versuche, die Realität zu beschreiben, die über den eigenen grammatikalischen oder psychologischen Furor stolpern. Hier die Auflösung, was geht und was man statt dessen manchmal liest:

Die Realität: Maria sagt: “Ich sauge Staub.”

Korrekte indirekte Rede: Maria sagt, sie sauge Staub.

Korrekte indirekte Rede in der Vergangenheitsform: Maria sagte, sie sauge Staub.

MUTIG: Widergabe unterstellt Richtigkeit von Marias Bericht: Maria hat Staub gesaugt.

FALSCH: Indirekte Rede, dabei das Staubsaugen fälschlich in die Vergangenheit verlagernd: Maria sagte, sie habe Staub gesaugt.

FALSCH: Konjunktiv statt indirekte Rede: Maria sagte, sie würde Staub saugen. (…würde sie machen, wenn sie dafür Geld bekäme. Aber sie hat ja Staub gesaugt…)

FALSCH: Motivationale Zuordnung ohne Anhalt: Maria wollte Staub saugen.

FALSCH: Erst Indirekte Rede einführen, dann Anführungszeichen verwenden: Maria sagte, sie “sauge Staub.”

FALSCH: Zitat ohne Anführungszeichen: Maria sagt: Ich sauge Staub. (Dann saugt der Referent…)

FALSCH: Übergeneralisierung: Maria saugt immer Staub.

FALSCH: Zuschreibung einer Charaktereigenschaft aus singulärer Selbsteinlassung: Da Maria eine ordentliche Person ist, saugt sie Staub.

FALSCH: Pathologisierende Begriffe für normales Handeln vergeben: Maria saugt zwanghaft Staub.

FALSCH: Diagnosen vergeben, wo keine hingehören: Maria hat einen Putzzwang.

FALSCH: Fehlerhafte Pathologisierung dann noch durch Kodierung in Pseudowissenschaftlichkeit hüllen: F42.1 Vorwiegend Zwangshandlungen [Zwangsrituale]

WORTSALAT: Maria staubt Saug.

Wer kennt ein gutes Psychotherapie-Lehrbuch für Einsteiger?

Ich wurde unlängst von einer jungen Ärztin nach einem Buch gefragt, das demjenigen, der lernen will, als Therapeut Psychotherapie zu machen, einen guten Einstieg ermöglicht. Entweder verhaltenstherapeutisch oder allgemein angelegt. Ich habe die Romane von Yalom erwähnt und ein Kurzlehrbuch der Verhaltenstherapie, wußte aber so recht keine gute und gut lesbare Empfehlung.

Womit habt ihr den Einstieg in Psychotherapie-Lehrbücher gemacht? Welches Buch kann man zum Lesen (nicht zum Nachschlagen) empfehlen?

Sachdienliche Hinweise bitte in die Kommentare schreiben! Danke!

Warum mechanistische Analogien mit der menschlichen Psyche meistens falsch sind

Im Versuch, die Funktion der menschlichen Psyche zu begreifen, werden oft mechanistische Analogien mit einfachen Maschinen herangezogen. Diese sind griffig, aber meistens falsch. Einige gängige sind:

Der Druck hatte sich so weit aufgebaut, es musste zur Explosion kommen

Dies stimmt für Dampfkessel ohne Überdruckventile. Die menschliche Psyche ist anders. Sie hat eben doch meist sehr viele ganz unterschiedliche Überdruckventile und Menschen sind normalerweise in der Lage, Anspannung sehr wohl auch graduiert abzubauen. Es muss nicht notwendigerweise zur Explosion kommen, auch wenn vieles zusammen kommt.

Ich habe diese Erinnerung abgespeichert

Das würde sich jeder Richter von seinen Zeigen wünschen, aber Menschen sind nicht besonders gut darin, sich Dinge genau so zu merken, wie ein Computer, der ein Dokument abspeichert. Tatsächlich erinnern wir uns regelmäßig an ein Konglomerat aus verschiedenen Sinneseindrücken, also optischen, akustischen, olfaktorischen und taktilen Sinneseindrücken. Natürlich konstruieren wir uns auch eine abstrahierte verbale Beschreibung von Geschehnissen, an die wir uns ebenfalls erinnern. Die Prozesse des Merkens und des Erinnerns sind jedoch sehr störanfällig und unterliegen oft ausgedehnten Verzerrungen, Ergänzungen und Verlusten.

Erlebnisse müssen "verarbeiten" werden

Verarbeiten muss man anfallenden Kompost, Kartoffeln für das Abendessen und manchmal Rohstoffe zu Endprodukten. Erlebnisse kann man auch akzeptieren, verdrängen, gut finden, manchmal dran denken oder einfach so stehen lassen, wie sie sind. Es kann sinnvoll sein, sich Zeit zu nehmen, einen Weg auszutüfteln, mit etwas umzugehen. Muss man aber nicht immer. Das Ereignis bleibt nicht wartend liegen, bis man es "verarbeitet" hat.

Die Luft ist raus

Ist sie nicht. Gerade wenn man erholungsbedürftig ist, kann es gut sein, dass man viel Kraft hat, schwimmen, feiern und quatschen zu gehen. De Psyche ist eben kein Reifen. Sie hat in jeder gegebenen Situation mehr Spielraum als "voll" und "leer".

Er hat einen Knacks weg

Hat er nicht. Er ist ja kein Stück totes Holz. Die Psyche kann sich auch nach "Verletzungen" wieder vollständig regenerieren.

Ich habe ja Verständnis für vereinfachende Bilder. Aber sie vereinfachen regelmäßig die gesunde Vielschichtigkeit des menschlichen Reaktionsvermögens. Dadurch verstellt man sich oft den Blick auf heilsame Ressourcen. Und das ist nicht gut. Ich bin daher immer skeptisch, wenn ich eine mechanistische Beschreibung psychischer Vorgänge höre und überlege mir jedes Mal, welche Alternative man hier ausblendet, die tatsächlich möglich sein könnte.

Welche Bilder kennt Ihr, die Euch stören und die den Blick für alternative Sichtweisen verstellen? Schreibt sie in die Kommentare!

Warum es keine gute Idee ist, mit meinem Patienten seinen Psychotherapieantrag zu besprechen…

Psychotherapieanträge sind defizitorientiert

Damit die Krankenkasse eine Psychotherapie genehmigt, muss eine Krankheit vorliegen. Im Falle der Psychotherapie muss ein mehrseitiger Antrag geschrieben werden, der ausführlich beschreibt, wie ausgeprägt die Störung ist, wie sie sich seit der Kindheit entwickelt hat und in welchen allgegenwärtigen Situationen sich diese Störung nun durchsetzt und das normale Leben schwer beeinträchtigt. Oft werden hier auch Hypothesen herangezogen und generalisiert, die das Tiefgreifende der Störung illustrieren sollen, wie:

Aufgrund des invalidierenden Verhaltens der Mutter lernte der Proband nicht, seinen eigenen Gefühlen zu vertrauen. Der abwesende Vater stand als korrigierendes Element nicht zur Verfügung. In der Fortsetzung dieser Wahrnehmungen fühlt sich der Proband auch heute noch oft verlassen, nicht ernst genommen und hilflos.

Die Wahrheit setzt sich aus Stärken und Defiziten zusammen

Natürlich gibt es in der Vergangenheit und in der Gegenwart für jeden Menschen Belastungen und dysfunktionale Verhaltensweisen Anderer. Aber nur bei den wenigsten dominiert das völlig das Erleben. Bei der weit überwiegenden Mehrzahl der Patienten war die Mutter nicht immer invalidierend, der Vater nicht immer abwesend. Die Mehrzahl der Psychotherapiepatienten hat zum Glück auch viele und prägende positive Erfahrungen mit den Menschen im direkten Umfeld gemacht.

Psychotherapie ist ressourcenorientiert

In der Psychotherapie geht es ja nicht darum, die Schuld für dsyfunktionales Verhalten bei irgend einer anderen Person in möglichst ferner Vergangenheit zu suchen, sich ins Bett zu legen und zu sagen: "So. Mutter ist schuld. Das hat sie jetzt davon. Ich bleib hier im Bett liegen. Ich weiß ja nun, woher das alles kommt." Sondern es geht darum, gesundes, funktionales Verhalten, gesunde Gefühle und allgemein das gesunde und normale Leben wieder zu stärken. Dafür ist es zu einem bestimmten Zeitpunkt häufig sinnvoll, die Entstehung des dysfunktionalen Empfindens und Verhaltens zu verstehen. Aber es ist mindestens genauso wichtig, eher wichtiger, zu verstehen, was einen trotz allem Widrigen recht gesund gehalten hat und auf welche Stärken man aufbauen kann. Und hier ist es ebenso erlaubt und sinnvoll, sich zu gewärtigen, welche Kindheitserfahrungen, welche gegenwärtigen Erfahrungen Stärke, funktionale Interaktionen und die Grundlage für ein gesundes Leben vermittelt haben. Eine Aufgabe der Psychotherapie ist es, genau diese Ressourcen zu stärken.

Und deswegen sind die meisten Psychotherapieanträge nur für die Kassen sinnvoll

Man darf und soll in einem Psychotherapieantrag etwas über die Ressourcen schreiben, die ein Patient mitbringt und über die Pläne, wie diese gestärkt werden können. Aber in der Realität dominiert doch oft die störungs- und defizitorientierte Beschreibung. Für den Genehmigungsprozess der Psychotherapie ist das auch funktional, weil es helfen kann, behandlungsbedürftige Krankheiten zu beschreiben, und nur für deren Therapie ist die Krankenkasse zuständig.

Für die Patienten ist der Antrag aber oft wenig hilfreich, gerade weil er oft auf Defizite fokussiert und unversöhnlich anmutende Beziehungen zu wichtigen Personen in der Vergangenheit in den Raum stellt. Diese Aspekte haben ihre Berechtigung, aber es hilft meist nicht, zu sehr an ihnen festzukleben.

Aus meiner Sicht sind die gegenwärtig verwendeten Psychotherapieanträge wenig hilfreich. Bei anderen kostenintensiven Behandlungen reicht ja auch die Stellung einer Diagnose ohne mehrseitigen Therapieantrag. Psychologen und Ärzte, die schon länger Psychotherapie machen, müssen ohnehin keine Anträge mehr schreiben. Es täte der Behandlung gut, diese Pflicht für alle Therapeuten aufzuheben. Das erleichterte den Blick auf die Ressourcen.

Psychohygiene Teil 982: Benutze eine to-do Liste!

Familie, Beruf, Sport, Hobbies, wir alle habe eine ganze Reihe von Rollen, denen wir gerecht werden müssen und wollen. Und in all diesen Lebensbereichen gibt es immer was zu tun. Die zahlreichen Projekte bei der Arbeit wollen alle irgendwie vorwärts gebracht werden, für die Kinder muss ein Termin zum Impfen ausgemacht werden, man will sich zum gemeinsamen Sport verabreden; es gibt ständig viele Punkte, die man irgendwie im Kopf haben muss und die einem irgendwie ständig zurufen: „Denk an mich! Vergiß mich nicht! Ich kann erst ab Donnerstag den 23. erledigt werden! Wenn Du das nächste Mal mit Philipp sprichst, dann denk als erstes an mich!!!“
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, ich kann mir das alles nicht merken. Ich habe immer schon to-do Listen geführt, und inzwischen habe ich so viele Projekte, Aufgaben und Rollen, dass es für mich einfach völlig unvorstellbar wäre, dass alles im Kopf zu halten. Der Kopf ist auch nicht der richtige Ort dafür. Er ist nicht dafür gemacht, sich solche Dinge zu merken. Jedenfalls meiner nicht.

Man muss zunächst mal unterscheiden zwischen Terminen und Aufgaben. Termine gehören in den Kalender und sie sind nur zu genau der Zeit zu erledigen, die im Kalender eingetragen ist. So funktioniert der Zahnarztbesuch. Aber so funktioniert nicht der Anruf beim Zahnarzt, um einen Termin zu machen. Das ist eine Aufgabe, und die hat im Kalender nichts verloren. Die gehört in eine Aufgabenliste.
Der Trick ist, einen Ort zu haben, an dem man all diese Aufgaben aufschreibt. Und dem man vertraut. Man muss wissen: Wenn hier nichts steht, dann habe ich keine von diesen Aufgaben.

Eine gute Aufgabenliste ist so organisiert, dass man alle Projekte, alle Rollen, alle Bereiche, für die man Verantwortung übernimmt und bei denen regelmäßig Aufgaben anfallen, in eine Projektliste aufnehmen kann, wie auf dem Foto oben dargestellt. Hier soll man auch die Bereiche aufführen, bei denen man gerade keine Aufgaben zu erledigen hat. Oder mal scharf überlegen, ob da nicht doch was ansteht…
Einzelne Aufgaben trägt man dann zu diesen Projekten ein, zum Beispiel: „Zahnarzttermin vereinbaren“. Und dann trägt man zu dieser Aufgabe immer auch einen Kontext ein, in diesem Fall „Telefon“. Das ist wichtig. Kontexte gint es immer so ein paar gleiche, die üblichen sind:
* Büro
* Zuhause
* Telefon
* Computer
* Chef
* Ehefrau
* Auto
* Überall
* Warten auf Andere

Wichtig ist, dass man alle seine Aufgaben aus allen seinen Projekten in dieser Liste sammelt. Manche Aufgaben wiederholen sich regelmäßig (An jedem ersten des Monats Rechnung x bezahlen….), auch das trägt man zu der jeweiligen Aufgabe ein.
Manche Aufgaben kann man erst ab einem bestimmten Datum beginnen, dies trägt man als Startdatum ein.

Und dann kann man daran gehen, die Dinge zu erledigen. Dafür läßt man sich einfach von der to-do Liste, die eine kleine Datenbank ist, anzeigen, welche Aufgaben gerade anstehen (also nicht die, die erst in der Zukunft liegen) und welche in dem Kontext, in dem ich gerade bin (also zum Beispiel im Büro) Sinn machen. So kann man sich immer auf genau das konzentrieren, was gerade ansteht und Sinn macht.
Wenn man seinem System vertraut, hat man den Kopf frei dafür, die Dinge zu tun, statt über sie nachzudenken.
In dem Moment, in dem ich etwas auf die Liste schreibe, mache ich eine kleine Vereinbarung mit mir selber, die lautet: „Ich werde diese Sache machen, sobald ich dazu komme.“ Es ist wie ein Kalendereintrag. Da denke ich ja auch in dem Moment, in dem ich es eintrage, darüber nach, ob ich es machen will oder nicht. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, denke ich nur noch kurz darüber nach, denn ich habe das ja schon einmal entschieden. Das ist auch bei Aufgaben eine sinnvolle Trennung.

Mac-Benutzer verwenden bitte ohne nachzudenken das berühmte OmniFocus für diese Sache, trotz des hohen Preises. Keine andere Aufgabenverwaltung funktioniert auch nur annähernd so gut. Wenn man das macht, hat man die Grundprinzipien von „Getting things done!“ schon verstanden und internalisiert.

Dies hilft einem, die Dinge, die man zu erledigen hat, effizient zu erledigen. Es hilft einem nicht, zu erkennen, was wichtig ist und es ist kein Selbstzweck, viele Dinge zu erledigen. Aber wenn man die ohnehin anfallenden Dinge erledigt, hat man danach den Kopf frei, sich unbeschwert den wirklich wichtigen Dingen zu widmen, zum Beispiel mit den Kindern Fußball zu spielen.

Hier ein paar nette Videos zur Verwendung vonOmniFocus:

Das Konzept von Getting Things Done als 2 Minuten Video-Animation
OmniFocus bei der Macworld 2013

Eat that frog!

Eat that frog ist ein Buch von Brian Tracy, das kurz gesagt dazu auffordert, das Unangenehmste zuerst zu tun. Wenn man auf seiner to-do Liste stehen hat:
– Staubsaugen
– Die Spülmaschine ausräumen
– Einen Frosch verzehren
– Einkaufen gehen,
dann ist es ratsam und erprobtermaßen gut, damit anzufangen, den Frosch aufzuessen. Zum einen verschiebt man es dann nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag, und zum anderen fühlt man sich frei, stark und überhaupt großartig, wenn der Frosch erst mal gegessen ist. Der Rest der Dinge, die zu tun sind, ist dann ein heiterer Tanz auf dem Rummel der Möglichkeiten, die der Tag sonst noch so bereit hällt.
Der Frosch kann jeden Tag etwas ganz anderes sein, und zum Glück muss man auch nicht an jedem Tag einen Frosch verspeisen. Aber wenn einer dabei ist, dann soll man sich ihm widmen, sobald es geht. Echt! Ist besser!

Was ist eine Depression?

Was ist eine Depression?

Eine Depression ist eine Erkrankung. Eine Depression ist nicht Trauer, ist nicht Unzufriedenheit mit einer unerfreulichen Lebenssituation, ist nicht eine kurze Sinnkrise und ist schon dreimal nicht eine kurzfristige traurige Stimmung, die man eben mal so haben kann, und die dann auch wieder aufhört. All diese Konstellationen führen natürlich auch zu Traurigkeit, und diese Traurigkeit ist jeweils auch berechtigt und nachvollziehbar.

Aber eine Depression, so wie Psychiater sie verstehen, ist eine Erkrankung des Gefühlslebens. Diese Erkrankung kann ihren Anfang in einer der oben beschriebenen Situationen haben, etwa einer langen Trauerphase, muss sie aber nicht. Die Krankheit kann auch „aus heiterem Himmel“ auftreten.

Symptome der Depression

Die Erkrankung Depression geht sehr häufig mit folgenden Symptomen einher:
– Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit
– Gefühlen der Kraftlosigkeit, Energielosigkeit, Erschöpfung
– Schlafstörungen, Appetitstörungen
– Konzentrationsstörungen
– Reizbarkeit
– Körperlichen Beschwerden wie Schmerzen, Verspannungen, Funktionseinschränkungen
– In schweren Fällen dem „Gefühl der Gefühllosigkeit“. Dies ist keine traurige Stimmung, sondern eine als noch weit unangenehmer empfundene Gefühlsleere. Die Betroffenen beschreiben das Gefühl, gar keine Gefühle mehr zu haben, nicht einmal traurige.
– In schweren Fällen Gedanken an den Tod.
– In manchen schweren Fällen wahnhaften Gedanken um die Themen Verschuldung, Versündigung und Verarmung.
Diese Symptome bestehen bei einer Depression nicht nur an einzelnen wenigen Tagen oder in bestimmten Situationen, sondern an mehr als zwei Wochen hintereinander, ohne auch mal nur für ein Wochenende oder einen Tag zu verschwinden. Sie sind da und bleiben bestehen.

Was unterscheidet eine Depression von einer traurigen Verstimmung?

Die Depression dauert länger, wirkt sich umfassender aus und betrifft stärker auch den Körper, mit Symptomen wie Erschöpfung, Schmerzen, Angst, Schlafstörungen und ähnlichen. Die Krankheit Depression kommt nach einigen Jahren oft wieder, ebenso wie bei der ersten Episode nicht selten ohne erkennbaren Grund oder Anlass. Die Krankheit Depression kann auch im Wechsel mit manischen oder hypomanen Episoden auftreten, dann spricht man von einer bipolaren Erkrankung.

Diagnostik der Depression

Es ist wichtig, bei den hier beschriebenen Symptomen eine ärztliche Diagnostik durchzuführen. Alle diese Beschwerden können auch von einer körperlichen Erkrankung, wie einer Schilddrüsenunterfunktion oder einer Anämie hervorgerufen werden. In diesen Fällen hilft natürlich nur eine ursächliche Therapie der zugrunde liegenden körperlichen Ursache.

Neurobiologie der Depression

Es ist unzweifelhaft so, dass während einer depressiven Episode, unabhängig davon, was diese ausgelöst hat, die Aktivität bestimmter neuronaler Teilsysteme verändert ist. Die Veränderungen finden sich am ehesten im limbischen Bereich und im präfrontalen Cortex. Diese Änderungen stellen ein behandelbares Korrelat der Depression dar.

Behandlung der Depression

Je nach dem, was eine Depression auslöst, sind unterschiedliche Behandlungen sinnvoll. Wenn Konflikte und Belastungen des Lebens im Vordergrund stehen, ist eine Psychotherapie, am ehesten eine Kognitive Verhaltenstherapie, sinnvoll. Auch in diesen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva die Genesung beschleunigen. Kommt die Depression ohne erkennbare äußere Auslöser, ist der medikamentöse Behandlungsansatz oft der erste Schritt, aber auch in diesen Fällen empfiehlt sich eine Psychotherapie.

Gegen die Depression angehen!

Die Depression ist eine Krankheit. Wenn die Symptome einer Depression vorliegen, ist es sinnvoll, sich gezielt auf den Weg zurück in die Gesundheit zu machen. Der erste Schritt kann ein Besuch beim Hausarzt sein. Dieser kann in der Regel die meisten körperlichen Ursachen, die ein depressives Syndrom auslösen, erkennen und behandeln. Findet sich keine körperliche Ursache, ist eine Behandlung der Depression mit Psychotherapie und bei einem Teil der Patienten mit antidepressiven Medikamenten sinnvoll. Diese Behandlung erspart dem Betroffenen oft viele Wochen vermeidbarer Krankheit und hilft ihm oft, schneller wieder Freude am Leben zu finden, seinen Aufgaben in der Familie und bei der Arbeit wieder gerecht werden zu können und einfach wieder gesund zu sein. Der Weg zum Arzt lohnt sich also.

Weiterführende Weblinks:

Depression“ in der Wikipedia

Psychohygiene Teil 5935: Schreib ein Tagebuch!

Day one

Tagebuch schreiben klingt jetzt ein bisschen old school, aber ich schwöre euch, es ist eine prima Sache. Wann sonst betrachtest Du Dich aus einer etwas distanzierten Sicht? Wann sonst nimmst Du Dir die Zeit, Deine Träume, Wünsche und Pläne festzuhalten? Schwierige Gedanken mal zu klären? Und das alles nachlesbar, so dass Du in ein paar Jahren noch was damit anfangen kannst?

Natürlich will ich hier keinen auffordern, sich so eine Papiersache zu kaufen. Das ist nun wirklich retro. Der moderne Nerd führt sein diary als pdf Dokument oder online. Und kann von überall aus darauf zugreifen: Vom iPhone, iPad und Mac. Mac-ianer nehmen bitte die mehrfach ausgezeichnete App „Day One„. Die macht wirklich Spaß. Foto mit dem iPhone aufnehmen, location automatisch einfügen lassen, ein paar Bemerkungen notieren, und abends am Mac den gleichen, per iCloud gesyncten Eintrag weiter ausformulieren. So geht´s.

Aber auch die Papier- oder pdf-Version ist ihre Zeit wert. Ich mach das seit Jahren und freue mich immer wieder, zu lesen, was mich schon vor 10 Jahren bewegt hat…

Erster Geburtstag

Heute feiert dieser blog seinen ersten Geburtstag. Happy birthday!
Vor genau einem Jahr erschien der erste post hier; inhaltlich ging es darum, dass ich wohl mal „Hello World!“ posten wollte und das auch getan habe. Inzwischen habe ich über 140 posts mit hoffentlich etwas mehr Inhalt geschrieben und es ist weiterhin fun.
Bedanken möchte ich mich einmal mehr bei pharmama, Chirurgenwelpe und medizynicus, durch deren frühe links viele Leser auf den blog aufmerksam geworden sind sowie die anderen Medizinblogs, die mir die Ehre eingeräumt haben, mich in ihre blogroll aufzunehmen. Google lenkt täglich verblüffende Mengen an clicks weiter, was mich wirklich freut und motiviert.
Am meisten aber freuen mich die vielen regelmäßigen Leser unter Euch, die mir mit Kommentaren, Gefällt mir´s und allen anderen Rückmeldungen zeigen, dass ein bestimmter post ihnen etwas gebracht hat: Spaß, Bestätigung, Information oder Anregung.
Ich freue mich auf’s nächste Jahr mit Euch,
Euer psychiatrietogo

Neujahrsvorsätze

11 Neujahrsvorsätze, die garantiert aus psychiatrischer Sicht sinnvoll, nachhaltig, gesund und überhaupt absolut torte sind:
+ mehr lachen!
+ mehr Zeit mit Freunden verbringen
+ mehr mit Kindern spielen
+ mehr Sex
+ soviel Freizeit haben, dass Du beginnst, Dich zu langweilen
+ genug spannende Herausforderungen auswählen, dass Du Dich nicht wirlich langweilst
+ weniger über Probleme nachdenken, mehr über Lösungen nachdenken und die umsetzen
+ natürlich mehrsportwenigerfrittenmehrsalatnichtrauchenabnehmen
+ neugierig bleiben
+ dankbar sein
+ Spaß am Leben haben und es genießen

Willkommen in meinem RSS Reader PsychoSomaDoc

Blogs bieten zwei wesentliche Vorteile:
Erstens: Als Schreiber macht man sich auf eine ganz andere Art Gedanken über das eigene Gebiet, man überlegt nämlich, wie man einem Anderen bestimmte Dinge erklären kann und worauf es sich nach der eigenen Einschätzung lohnt, hinzuweisen. Dadurch betrachtet man die Dinge aus einem anderen Blickwinkel. Und das ist sehr bereichernd! Wer noch keinen blog betreibt, der kann sich für die quälende Sylvesterfrage: „Was nehme ich mir für 2013 eigentlich mal vor?“ ja mal was überlegen…
Zweitens: Als Leser bekommt man Einblicke in die Welt anderer Gebiete, und zwar kurz, meist unterhaltsam und oft auch informativ. Gute Sache…
Und so freue ich mich ganz besonders, mit PsychoSomaDoc einen neuen blog in meinen RSS reader aufnehmen zu können. 
Viel Spaß und viel Erfolg, PsychoSomaDoc!