Psychopharmaka im Vergleich: Wirkung und Nebenwirkungen

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Psychopharmaka im Vergleich: Wirkung und Nebenwirkungen

Wie stark wirken die einzelnen Psychopharmaka im Vergleich zu Placebo, und wie viele Nebenwirkungen haben sie? Die Balken zeigen die Wirkstärke, die Dioden die wichtigsten Nebenwirkungen. Grundlage sind große Netzwerk-Metaanalysen. Ausnahme: Die Punkte bei der Phasenprophylaxe sind meine eigene Einschätzung, keine Studienergebnisse.

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Antipsychotika (Leucht 2013)

SubstanzWirkstärke →GewichtEPMSSedierung
Clozapin
Amisulpridn. s.
Olanzapin
Risperidon
Paliperidonn. s.
Haloperidol
Quetiapin
Aripiprazol
Sertindoln. s.
Ziprasidon
Asenapin

Nebenwirkung von gering (grün) bis stark (rot), skaliert auf die stärkste Substanz der Spalte. Keine Diode = nicht häufiger als unter Placebo. n. s. = nicht signifikant verschieden von Placebo.

Zahlenwerte mit 95-%-Intervall
SubstanzWirkstärkeGewichtszunahmeEPMSSedierung
ClozapinSMD 0,88 (0,73 bis 1,03)SMD 0,65 (0,31 bis 0,99)OR 0,30 (0,12 bis 0,62)OR 8,82 (4,72 bis 15,06)
AmisulpridSMD 0,66 (0,53 bis 0,78)SMD 0,20 (0,05 bis 0,35)OR 1,60 (0,88 bis 2,65)n. s.
OlanzapinSMD 0,59 (0,53 bis 0,65)SMD 0,74 (0,67 bis 0,81)OR 1,00 (0,73 bis 1,33)OR 3,34 (2,46 bis 4,50)
RisperidonSMD 0,56 (0,50 bis 0,63)SMD 0,42 (0,33 bis 0,50)OR 2,09 (1,54 bis 2,78)OR 2,45 (1,76 bis 3,35)
PaliperidonSMD 0,50 (0,39 bis 0,60)SMD 0,38 (0,27 bis 0,48)OR 1,81 (1,17 bis 2,69)n. s.
HaloperidolSMD 0,45 (0,39 bis 0,51)SMD 0,09 (0,00 bis 0,17)OR 4,76 (3,70 bis 6,04)OR 2,76 (2,04 bis 3,66)
QuetiapinSMD 0,44 (0,35 bis 0,52)SMD 0,43 (0,34 bis 0,53)OR 1,01 (0,68 bis 1,44)OR 3,76 (2,68 bis 5,19)
AripiprazolSMD 0,43 (0,34 bis 0,52)SMD 0,17 (0,05 bis 0,28)OR 1,20 (0,73 bis 1,85)OR 1,84 (1,05 bis 3,05)
SertindolSMD 0,39 (0,26 bis 0,52)SMD 0,53 (0,38 bis 0,68)OR 0,81 (0,47 bis 1,30)n. s.
ZiprasidonSMD 0,39 (0,30 bis 0,49)SMD 0,10 (-0,02 bis 0,22)OR 1,61 (1,05 bis 2,37)OR 3,80 (2,58 bis 5,42)
AsenapinSMD 0,38 (0,25 bis 0,51)SMD 0,23 (0,07 bis 0,39)OR 1,66 (0,85 bis 2,93)OR 3,28 (1,37 bis 6,69)

Wirkstärke: Standardisierte Mittelwertdifferenz der Gesamtsymptomatik gegenüber Placebo. Zur besseren Lesbarkeit mit umgekehrtem Vorzeichen dargestellt: größer = wirksamer.

Gewichtszunahme: Standardisierte Mittelwertdifferenz der Gewichtszunahme gegenüber Placebo: größer = mehr Zunahme.

EPMS: Odds Ratio für den Einsatz von Antiparkinson-Medikation gegenüber Placebo (logarithmische Skala): über 1 = mehr EPMS.

Sedierung: Odds Ratio für Sedierung gegenüber Placebo (logarithmische Skala): über 1 = mehr Sedierung. Amisulprid, Paliperidon und Sertindol unterschieden sich nicht signifikant von Placebo (n. s.).

Quelle: Leucht S et al. Comparative efficacy and tolerability of 15 antipsychotic drugs in schizophrenia: a multiple-treatments meta-analysis. Lancet 2013;382:951–962. Publikation

Antidepressiva (Cipriani 2018)

SubstanzWirkstärke →Abbruch wg. NW
Amitriptylin*
Mirtazapin
Duloxetin
Venlafaxin
Paroxetin
Milnacipran
Escitalopram
Sertralin
Agomelatin
Bupropion
Fluoxetin
Citalopram
Trazodon

* Die Unterschiede zwischen den Antidepressiva sind klein und unsicher. Dass Amitriptylin vorn liegt, sollte man nicht als Beleg werten, dass es stärker wirkt als SSRI oder SNRI.

Nebenwirkung von gering (grün) bis stark (rot), skaliert auf die stärkste Substanz der Spalte. Keine Diode = nicht häufiger als unter Placebo. n. s. = nicht signifikant verschieden von Placebo.

Zahlenwerte mit 95-%-Intervall
SubstanzWirkstärkeVerträglichkeit
AmitriptylinOR 2,13 (1,89 bis 2,41)OR 3,11 (2,54 bis 3,82)
MirtazapinOR 1,89 (1,64 bis 2,20)OR 2,21 (1,74 bis 2,81)
DuloxetinOR 1,85 (1,66 bis 2,07)OR 2,48 (2,02 bis 3,06)
VenlafaxinOR 1,78 (1,61 bis 1,96)OR 2,95 (2,49 bis 3,51)
ParoxetinOR 1,75 (1,61 bis 1,90)OR 2,19 (1,90 bis 2,53)
MilnacipranOR 1,74 (1,37 bis 2,23)OR 1,64 (1,06 bis 2,52)
EscitalopramOR 1,68 (1,50 bis 1,87)OR 1,72 (1,38 bis 2,14)
SertralinOR 1,67 (1,49 bis 1,87)OR 2,01 (1,61 bis 2,52)
AgomelatinOR 1,65 (1,44 bis 1,88)OR 1,21 (0,94 bis 1,56)
BupropionOR 1,58 (1,35 bis 1,86)OR 2,28 (1,68 bis 3,10)
FluoxetinOR 1,52 (1,40 bis 1,66)OR 1,82 (1,56 bis 2,13)
CitalopramOR 1,52 (1,33 bis 1,74)OR 1,87 (1,39 bis 2,51)
TrazodonOR 1,51 (1,25 bis 1,83)OR 3,07 (2,15 bis 4,38)

Wirkstärke: Odds Ratio für Response (≥ 50 % Symptomreduktion) gegenüber Placebo (logarithmische Skala): größer = wirksamer.

Verträglichkeit: Odds Ratio für Therapieabbruch wegen unerwünschter Wirkungen gegenüber Placebo (logarithmische Skala): größer = schlechter verträglich.

Quelle: Cipriani A et al. Comparative efficacy and acceptability of 21 antidepressant drugs for the acute treatment of adults with major depressive disorder: a systematic review and network meta-analysis. Lancet 2018;391:1357–1366. Publikation

Phasenprophylaxe

Wie gut ist der Schutz vor neuen Phasen belegt?

Wichtig: Die Punkte sind meine eigene Einschätzung, keine Studienergebnisse. Anders als die Tabellen oben zeigt diese Tabelle keine gemessenen Werte, sondern meine Bewertung der Studienlage.
SubstanzSchutz vor ManieSchutz vor Depression
Lithium
♥ Senkt nachweislich Suizide und Suizidversuche – als Einzige dieser sechs Substanzen. Erste Wahl laut S3-Leitlinie.
Valproat
! Kontraindiziert bei Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter, außer das Schwangerschaftsverhütungsprogramm wird eingehalten. Auch Männer: zuverlässige Verhütung. In BALANCE Lithium unterlegen.
Carbamazepin
i Starker Enzyminduktor (CYP3A4) – senkt u. a. die Wirkung hormoneller Kontrazeptiva. Teratogen. Reservemittel.
Aripiprazol
i Schützt nur vor Manien. Zugelassen für Patienten, die in der Manie auf Aripiprazol angesprochen haben.
Quetiapin
i Daten gegen depressive Phasen, aber nur aus industriefinanzierten Studien an Patienten, die akut auf Quetiapin ansprachen. Sedierung, Gewicht.
Lamotrigin
i Schützt eher vor Depression als vor Manie. Langsam aufdosieren wegen schwerer Hautreaktionen.

sehr gut belegt
gut belegt
belegt
schwach belegt
sehr schwach belegt
kein Schutz belegt
Punkte = wie gut der Schutz vor neuen manischen bzw. depressiven Phasen belegt ist (0–5). Eigene Einschätzung, keine Studienergebnisse. Studien, in denen nur Patienten randomisiert wurden, die vorher auf das Mittel angesprochen hatten, zählen weniger. Feste Reihenfolge, keine Rangliste.

Quellen: Kishi T et al. Mood stabilizers and/or antipsychotics for bipolar disorder in the maintenance phase: a systematic review and network meta-analysis of randomized controlled trials. Mol Psychiatry 2021;26:4146–4157. · Severus E et al. Lithium for prevention of mood episodes in bipolar disorders: systematic review and meta-analysis. Int J Bipolar Disord 2014;2:15. · Geddes JR et al. Lithium plus valproate combination therapy versus monotherapy for relapse prevention in bipolar I disorder (BALANCE). Lancet 2010;375:385–395. · Weisler RH et al. Continuation of quetiapine versus switching to placebo or lithium for maintenance treatment of bipolar I disorder. J Clin Psychiatry 2011;72:1452–1464. · Goodwin GM et al. A pooled analysis of 2 placebo-controlled 18-month trials of lamotrigine and lithium maintenance in bipolar I disorder. J Clin Psychiatry 2004;65:432–441. · DGBS, DGPPN: S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen. Update 2019.

Sortiert nach Wirkstärke gegenüber Placebo. Die Dioden zeigen das Ausmaß einer Nebenwirkung von gering (grün) bis stark (rot), skaliert auf die stärkste Substanz der jeweiligen Spalte; keine Diode = nicht häufiger als unter Placebo. Gemittelte Effekte aus Netzwerk-Metaanalysen – sie helfen beim Abwägen, sagen aber nichts über den einzelnen Patienten. Werte aus den Publikationen transkribiert; eigene Darstellung.

Orientierungswerte zum Nachschlagen für Ärztinnen und Ärzte, keine Dosierungsempfehlung für den Einzelfall. Maßgeblich sind die Fachinformation und die individuelle Situation. Wenn Du Patientin oder Patient bist: Ändere Deine Medikation nie selbst, sondern sprich mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.

Datenstand: 2026-11-02

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