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Psychopharmaka im Vergleich – und warum es die PsychCast App nicht geben wird

Psychopharmaka im Vergleich – und warum es die PsychCast App nicht geben wird

Balkengrafik: 11 Antipsychotika nach Wirkstärke gegenüber Placebo sortiert, Clozapin vorn, dazu farbige Dioden für Gewichtszunahme, EPMS und Sedierung (Leucht 2013)
Antipsychotika: Wirkstärke, Gewichtszunahme, EPMS und Sedierung gegenüber Placebo (Leucht 2013)
Balkengrafik: 13 Antidepressiva nach Wirkstärke gegenüber Placebo sortiert, Amitriptylin mit Sternchen vorn, dazu farbige Dioden für Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen (Cipriani 2018)
Antidepressiva: Wirkstärke und Verträglichkeit gegenüber Placebo (Cipriani 2018)

Welches Antipsychotikum wirkt am stärksten; welches macht am wenigsten dick? Welches Antidepressivum hat am wenigsten Nebenwirkungen? Die beiden Grafiken oben beantworten das auf einen Blick – auf Grundlage der zwei großen Netzwerk-Metaanalysen von Andrea Cipriani (2018) und Stefan Leucht (2013). Sie sind neu auf meiner Webseite, zusammen mit einigen weiteren Tabellen. Eigentlich sollte all das in die PsychCast App. Daraus wird nichts. Warum, erzähle ich weiter unten.

So liest Du die Grafiken

  • Balken = Wirkstärke gegenüber Placebo. Je länger, desto wirksamer. Die stärkste Substanz füllt den Balken ganz.
  • Dioden = Nebenwirkungen, von grün (gering) bis rot (stark), jeweils skaliert auf die stärkste Substanz der Spalte. Keine Diode heißt: nicht häufiger als unter Placebo. „n. s.“ heißt: nicht signifikant verschieden von Placebo.
  • Bei den Antidepressiva steht für die Verträglichkeit, wie oft Patienten die Behandlung wegen Nebenwirkungen abgebrochen haben.

Ein paar Dinge springen sofort ins Auge. Amitriptylin liegt bei der Wirkung vorn – und wird am häufigsten wegen Nebenwirkungen abgebrochen. Die Unterschiede zwischen den Antidepressiva sind aber klein und unsicher. Dass Amitriptylin vorn liegt, sollte man nicht als Beleg werten, dass es stärker wirkt als SSRI oder SNRI. Agomelatin liegt bei der Wirkung im Mittelfeld, ist aber am besten verträglich.

Bei den Antipsychotika steht Clozapin bei der Wirkung klar vorn, sediert aber am stärksten. Olanzapin wirkt stark und macht die meiste Gewichtszunahme, Haloperidol die meisten extrapyramidal-motorischen Störungen. Aripiprazol hat bei Gewicht, EPMS und Sedierung überall nur eine einzige grüne Diode.

Wichtig: Das sind gemittelte Effekte aus vielen Studien zur Akutbehandlung – bei Cipriani von Erwachsenen mit Depression, bei Leucht von Menschen mit Schizophrenie. Sie helfen beim Abwägen, sagen aber nichts darüber, wie ein einzelner Mensch auf ein Medikament reagiert. Wenn Du selbst Psychopharmaka nimmst: Ändere nichts auf eigene Faust, sondern sprich mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.

Warum es die PsychCast App nicht geben wird

Im Oktober habe ich hier Betatester für die PsychCast App gesucht: eine kleine, kostenlose iPhone-App, die Psychopharmaka umrechnet und beim Nachschlagen im Stationsalltag hilft. Die Testphase lief gut, viele von Euch haben mitgemacht. Dann kam die Absage aus dem App Review von Apple.

Der Grund ist die Richtlinie 1.4.2: Apps, die Medikamentendosen berechnen, dürfen im App Store nur Arzneimittelhersteller oder anerkannte Institutionen wie Krankenhäuser, Apotheken oder Universitäten anbieten – keine Einzelpersonen.

Eine App ohne Umrechner hätte ich bauen können. Aber ohne Umrechner ergibt sie für mich keinen Sinn. Und Apple hat einen Punkt: Ein Rechner, der für einen konkreten Patienten eine konkrete Dosis ausgibt, ist in Europa schnell ein Medizinprodukt nach der Medizinprodukte-Verordnung (MDR). Das will ich nicht sein. Deshalb gibt es auch auf meiner Webseite keine Rechner, sondern nur Tabellen.

Die Arbeit war trotzdem nicht umsonst. Für die App habe ich die Zahlen noch einmal gegen Fachinformationen und Leitlinien abgeglichen. Davon profitieren jetzt die Tabellen auf der Webseite. Vielen Dank an alle, die mitgetestet und Fehler gemeldet haben!

Tabellen statt Rechner: alles an einem Ort

Alle Tabellen findest Du unter Psychiatrie nach Themen → Umrechnungstabellen. Neu dazugekommen sind:

Wenn Du einen bestimmten Wirkstoff suchst, geht es noch schneller: Oben auf der Themenseite steht jetzt ein Suchfeld. Ein paar Buchstaben eintippen, und Du landest direkt bei der passenden Tabelle, dem Artikel oder dem Video.

  • Psychopharmaka im Vergleich – die beiden Grafiken oben, mit allen Zahlenwerten und 95-%-Intervallen zum Aufklappen. Dazu die Phasenprophylaxe: Lithium ist die einzige Substanz, für die belegt ist, dass sie Suizide senkt, und bleibt erste Wahl. Quetiapin hat den besten Beleg gegen neue depressive Phasen, Aripiprazol schützt nur vor Manien.
  • Psychopharmaka bei Niereninsuffizienz – ab welcher GFR Du bei welcher Substanz hinschauen musst: gelb heißt Dosis anpassen und engmaschig beobachten, rot heißt kontraindiziert oder nicht empfohlen. Allen voran Lithium, das rein über die Niere ausgeschieden wird.
  • Clozapin: Blutbildkontrollen und ANC-Grenzwerte – seit September 2025 gelten EU-weit neue Regeln: Überwacht wird nur noch die absolute Neutrophilenzahl (ANC), die Leukozyten-Grenze ist entfallen. Mit eigener Spalte für Patienten mit benigner ethnischer Neutropenie (BEN).
  • MAO-Hemmer: Auswaschzeiten bei der Umstellung – wie lange zwischen der letzten Dosis des einen und der ersten Dosis des anderen Antidepressivums liegen muss, wenn ein MAO-Hemmer beteiligt ist. Bei zu kurzem Abstand droht ein Serotoninsyndrom.

Und natürlich die Klassiker, die zu den meistgelesenen Seiten hier gehören – mit denselben Zahlen, die auch in der App gesteckt hätten:

Die Tabellen sind Orientierungswerte zum Nachschlagen für Ärztinnen und Ärzte, keine Dosierungsempfehlung für den Einzelfall. Maßgeblich sind die Fachinformation und die individuelle Situation.

Welche Tabelle fehlt Dir noch im Stationsalltag? Schreib’s mir in die Kommentare.

Ein Gedanke zu “Psychopharmaka im Vergleich – und warum es die PsychCast App nicht geben wird”

  1. towo66 2. November 2026 / 07:09

    Moin Ja. Danke das du dir die Arbeit mit der App trotzdem geamcht hast. Aber sag…..warum nur für iOS und nicht auch für Android? Ich bin ein Mischnutzer. Habe einen iMac, ein MacBook, ein iPad, aber ein Android Smartphone 😉

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