Depot-Neuroleptika: Umrechnung von oral auf Depot

Wie rechnet man eine orale Neuroleptika-Dosis in eine Depotdosis um? Eine einfache Formel gibt es nicht. Die Tabellen unten stellen für jedes Depotpräparat vergleichbare orale und Depot-Dosierungen gegenüber — zusammengestellt aus den Fachinformationen und teilweise aus meiner klinischen Erfahrung. Sie zeigen auch, in welchen Dosierungen das jeweilige Depot vorliegt und in welchen Intervallen es gegeben wird.

Umrechnung: orale Dosis → Depotdosis

Haloperidol (z. B. Haldol®)

DosisstufeOrale DosisDepotdosis
niedrig2–0–2 mg40 mg alle 4 Wochen
mittel4–0–4 mg80 mg alle 4 Wochen
hoch6–0–6 mg120 mg alle 4 Wochen

Flupentixol (z. B. Fluanxol®)

DosisstufeOrale DosisDepotdosis
niedrig4–0–0 mg20 mg alle 2 Wochen
mittel10–0–0 mg50 mg alle 2 Wochen
hoch10–10–0 mg100 mg alle 2 Wochen

Fluphenazin (z. B. Lyogen®)

DosisstufeOrale DosisDepotdosis
niedrig2–0–3 mg25 mg alle 2 Wochen
mittel5–0–5 mg50 mg alle 2 Wochen
hoch10–0–10 mg100 mg alle 2 Wochen

Risperidon, 2-wöchige Gabe (z. B. Risperdal Consta®)

DosisstufeOrale DosisDepotdosis
niedrig0–0–2,5 mg25 mg alle 2 Wochen
mittel0–0–4 mg37,5 mg alle 2 Wochen
hoch0–0–5 mg50 mg alle 2 Wochen

Paliperidon, 4-wöchige Gabe (Xeplion®)

Aufsättigung: Unabhängig von der Zieldosis immer so beginnen — Tag 1: 150 mg deltoidal, Tag 8: 100 mg deltoidal. Danach:

DosisstufeOrale DosisDepotdosis
niedrig3–0–0 mg50 mg alle 4 Wochen
mittel6–0–0 mg75 mg alle 4 Wochen
hoch6–0–3 mg100 mg alle 4 Wochen

Paliperidon, 12-wöchige Gabe (z. B. TREVICTA®)

Die 3,5-fach-Regel: Nach viermonatiger Gabe von Xeplion® wird auf die 3,5-fache Dosis TREVICTA® umgestellt.

DosisstufeBisher Xeplion®TREVICTA®
niedrig50 mg alle 4 Wochen175 mg alle 12 Wochen
mittel75 mg alle 4 Wochen263 mg alle 12 Wochen
hoch100 mg alle 4 Wochen350 mg alle 12 Wochen
sehr hoch150 mg alle 4 Wochen525 mg alle 12 Wochen

Risperidon ISM (z. B. OKEDI®)

OKEDI® kann gegeben werden, sobald sichergestellt ist, dass Risperidon vertragen wird. Es baut den Wirkstoffspiegel direkt mit der ersten Depotgabe auf — eine Aufsättigung oder orale Überlappung ist nicht nötig.

DosisstufeOrale DosisDepotdosis
niedrig3–0–0 mg75 mg alle 4 Wochen
mittel4–0–0 mg100 mg alle 4 Wochen

Aripiprazol (z. B. Abilify Maintena®)

DosisstufeOrale DosisDepotdosis
mittel15–0–0 mg300 mg alle 4 Wochen
hoch20–0–0 mg400 mg alle 4 Wochen

Olanzapin (z. B. ZypAdhera®)

DosisstufeOrale DosisDepotdosis
niedrig0–0–10 mg210 mg alle 2 Wochen oder 405 mg alle 4 Wochen für 8 Wochen; danach 150 mg alle 2 Wochen oder 300 mg alle 4 Wochen
mittel0–0–15 mg300 mg alle 2 Wochen für 8 Wochen; danach 210 mg alle 2 Wochen oder 405 mg alle 4 Wochen
hoch0–0–20 mg300 mg alle 2 Wochen

Stand: August 2026 · Grundlage: Fachinformationen der Präparate und eigene klinische Erfahrung. Entspricht Tabelle 4.3 in „Psychopharmakotherapie griffbereit“. Im Einzelfall können andere Dosierungen erforderlich sein.

Wie ich das im Alltag anwende

Bevor man ein Neuroleptikum als Depot gibt, muss man sicherstellen, dass der Wirkstoff auch vertragen wird. Es wäre fatal, eine Substanz als Depot zu verabreichen, die dann starke EPMS, eine starke Akathisie oder eine andere Nebenwirkung verursacht — diese Nebenwirkung bliebe wochenlang bestehen. Daher gebe ich den Wirkstoff zuerst immer in kurzwirksamer Form, also in der Regel als Tablette. Bei guter Verträglichkeit stelle ich dann auf das Depot um.

Die erste Gabe führt bei den meisten Depotpräparaten noch nicht zu einem ausreichenden Blutspiegel. Nur Risperidon ISM (OKEDI®) erzeugt direkt nach der ersten Gabe ausreichende Spiegel. Bei den anderen Präparaten gibt man entweder eine Loading Dose wie bei Xeplion® oder überlappt über zwei bis drei Depotintervalle mit demselben Wirkstoff in Tablettenform.

Wann ein Depot sinnvoll ist — und wann nicht

Wenn ein Patient, der eine neuroleptische Medikation benötigt, diese immer wieder gegen ärztlichen Rat absetzt, kommt regelmäßig der Ruf nach einem Depotpräparat auf. Man muss jedoch bedenken: Wer sein Neuroleptikum nicht mehr nehmen möchte, wird es auch als Depot nicht nehmen.

Depots haben große Vorteile, wenn jemand zwar alle zwei bis vier Wochen einen Arzt aufsucht, zwischenzeitlich aber eine Tabletteneinnahme nicht hinbekommt — etwa weil er obdachlos ist und das Depot für ihn praktischer ist. Sie sind auch vorteilhaft, wenn ein Patient die Medikation zwar möchte, ihm die Tabletteneinnahme aber zu lästig oder zu kompliziert ist oder er sie häufig vergisst.

Auf der anderen Seite kann es bei nicht steril applizierten Depotinjektionen zu einem Spritzenabszess kommen, der die Gesundheit erheblich gefährden und manchmal zu einer großen Narbe führen kann. Das passiert mit Tabletten nicht. Dieses Risiko muss einem klaren Vorteil der Depotmedikation gegenüberstehen.

Und wenn ein Patient ein Neuroleptikum nicht nehmen möchte und es keine gesetzliche Grundlage wie eine Bewährungsauflage gibt, kann er auch eine Depotmedikation jederzeit absetzen. Immerhin — man sieht es frühzeitig.

Etwas Geschichte

Einige der typischen Neuroleptika wie Haloperidol, Flupentixol oder Fluphenazin stehen schon seit Jahrzehnten als Depotpräparat zur Verfügung. Diese Darreichungsform galt lange für eine recht große Patientengruppe als besonders sicher und angemessen. Mit dem Aufkommen der Atypika änderte sich das Verhältnis aus Nutzen und Nachteilen, weil die Typika auch in der Depotform nebenwirkungsreicher sind. Mit Risperidon kam ein erstes Atypikum in Depotform auf den Markt; inzwischen stehen auch Olanzapin und Aripiprazol als Depot zur Verfügung. Paliperidon ist als monatliches oder als 3-monatliches Depot erhältlich, und Risperidon steht in einer Formulierung zur Verfügung, die ohne Auftitrierung direkt nach der ersten Depotgabe den endgültigen Blutspiegel aufbaut.

Was die Tabelle nicht leisten kann

Es gibt keine einfache Formel, um eine orale Dosis in eine Depotdosis umzurechnen. Die Werte hier sind Orientierungspunkte aus den Fachinformationen und aus meiner Erfahrung — im Einzelfall können andere Dosierungen erforderlich sein. Insbesondere ersetzt die Tabelle nicht die Aufsättigungsschemata der einzelnen Präparate, die in der jeweiligen Fachinformation stehen.

Häufige Fragen zu Depot-Neuroleptika (FAQ)

Welche Depotdosis entspricht 4 mg Risperidon oral?

Etwa 37,5 mg Risperdal Consta® alle zwei Wochen — oder 100 mg OKEDI® alle vier Wochen.

Wie stelle ich von Xeplion® auf TREVICTA® um?

Nach viermonatiger stabiler Gabe von Xeplion® auf die 3,5-fache Dosis TREVICTA®, dann alle 12 Wochen. Aus 75 mg Xeplion® werden also 263 mg TREVICTA®.

Muss ich beim Umstellen oral überlappen?

Bei den meisten Präparaten ja — entweder über eine Loading Dose (Xeplion®) oder über zwei bis drei Depotintervalle mit oraler Begleitmedikation. Ausnahme ist Risperidon ISM (OKEDI®), das den Spiegel direkt aufbaut.

Kann ich direkt mit einem Depot beginnen?

Nein. Der Wirkstoff muss zuerst in kurzwirksamer Form gegeben werden, um die Verträglichkeit zu prüfen. Eine schwere Nebenwirkung unter einem Depot bliebe sonst wochenlang bestehen.

Hinweis: Diese Tabelle dient der Orientierung und ersetzt keine ärztliche Entscheidung im Einzelfall.

Copyright

Dieser Beitrag ist ein Auszug beziehungsweise eine auszugsweise Vorabveröffentlichung des Werks „Psychopharmakotherapie griffbereit“ von Dr. Jan Dreher, © Georg Thieme Verlag KG. Die ausschließlichen Nutzungsrechte liegen beim Verlag. Bitte wenden Sie sich an permissions@thieme.de, sofern Sie den Beitrag weiterverwenden möchten.

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Zuletzt aktualisiert: 7. August 2026


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9 Gedanken zu “Depot-Neuroleptika: Umrechnung von oral auf Depot

  1. Geneigter Leser 29. November 2022 / 15:13

    Ich würde mich über Informationen freuen, ob es sinnvoll sein kann, das Applikationsintervall zu verändern. Es kommt gelegentlich vor, dass Pat. aufgenommen werden, die ambulant z.B. alle drei Wochen Paliperidon-Depot erhalten.

    • 024680 29. November 2022 / 17:56

      Macht keinen Sinn, weil dann das „running system“ doch verändert wird. Außer einer erhöhten Konzentration wg. erhöhter Freisetzung kommt nichts bei einem engeren Intervall heraus. Und der Patient erhält häufiger die (unangenehme) Injektion.

      • Weiterhingeneigterleser 4. Dezember 2022 / 12:20

        Naja, es entsteht halt ein neuer Steady-State. In den Lehrbüchern steht ja, dass die Dosis so hoch wie nötig und so niedrig wie möglich gewählt sein sollte, und im Falle eines Absetzversuches ganz langsam runterdosiert werden soll wegen der postulierten Hypersensitivität der Rezeptoren.
        Kann ich also beim Absetzversuch z.B. das Intervall verlängern, oder soll ich‘s auf oral umstellen?

  2. 024680 4. Dezember 2022 / 17:54

    Ich bin kein Fachkundiger, nur selber Patient. Fragen Sie Ihren Arzt. Es ist allerdings sehr sinnvoll, dass Sie mit dem selbst Ausschleichen vorsichtig sind. Ich für mein Teil bin bei einer niedrigen Dosis Cariprazin gelandet, mit einer winzigen Dosis Risperidon zur Nacht. Absetzen kann ich aber nicht.

  3. Susanne_Meyer 7. Dezember 2022 / 02:56

    Wenn man auf Depotmedikation ist und der Arzt sich in Sachen Dosisreduzierung stur stellt, dann hat man nur die zwei schlechten Alternativen

    die unveränderte Dosis weiterhin akzeptieren

    oder nicht mehr kommen und damit aprupt absetzen.

    Es gibt nicht nur Absetzen gegen ärztlichen Rat, sondern auch Dosis reduzieren gegen ärztlichen Rat, und das hat gute Aussichten ein Erfolg zu werden, sehr im Gegensatz zum apruptem Absetzen, was fast immer schief geht.

    Weiterhin finde ich es bezeichnend, dass es zwar DepotNEUROLEPTIKA gibt, aber auf dem Gebiet ANTIDEPRESSIVA nichts Vergleichbares, bzw. nur Prozac Weekly, was aber auch nicht vom Arzt verabreicht wird, sondern vom Patienten selbst eingenommen.

    Die oben genannten Argumente für Depotmedikation lassen sich 1:1 auf Antidepressiva übertragen, da gibt es aber keines.

    • 024680 7. Dezember 2022 / 13:35

      Es gibt nicht nur Absetzen gegen ärztlichen Rat, sondern auch Dosis
      reduzieren gegen ärztlichen Rat, und das hat gute Aussichten ein
      Erfolg zu werden, sehr im Gegensatz zum apruptem Absetzen,
      was fast immer schief geht.

      Das Absetzen wird entweder ein Erfolg oder aber nicht, das hängt ausschließlich von den Bedingungen beim Menschen, der (!) absetzen (!) will ab, nicht hingegen ob man reduziert oder raschestmöglich „absetzt“. Schließlich gibt es auch noch das „Reduzieren“, ganz ohne Absicht, das Neuroleptikum/Antipsychotikum letztendlich dann „ganz abzusetzen“. Dieses kann ebenfalls zum – gewünschten – Erfolg führen.

  4. Michael Penner 27. Juni 2024 / 23:21

    Ich bin sehr einsam und geil und wünsche eine frivole Begegnung
    michaelxx9

  5. Michael Schuck 21. Juli 2024 / 17:45

    Ich habe gute Erfahrungen mit Depotneuroleptika.

  6. 024680 5. November 2024 / 09:14

    Dann schildern Sie mal, halten Sie nicht zurück…

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