Ab wann ist die QTc-Zeit kritisch? Bei Männern über 450 ms, bei Frauen über 470 ms — oder wenn sie sich unter der Medikation um mehr als 60 ms verlängert hat. Jeder Psychiater muss die QTc-Zeit im Blick haben: Manche Psychopharmaka verlangsamen die Erregungsausbreitung im Herzen und können im schlimmsten Fall eine tödliche Torsade-de-pointes-Tachykardie auslösen.
Grenzwerte der QTc-Zeit
| Kriterium | Grenzwert |
|---|---|
| QTc-Zeit bei Männern | > 450 ms |
| QTc-Zeit bei Frauen | > 470 ms |
| Anstieg unter Medikation | > 60 ms |
Wird einer dieser Werte erreicht, sollte die Medikation überdacht und das auslösende Medikament gegebenenfalls abgesetzt werden.
Welche Medikamente verlängern die QTc-Zeit?
Unter den Antidepressiva sind vor allem Citalopram und Escitalopram relevant. Unter den Neuroleptika gilt die folgende Reihenfolge, geordnet nach dem durchschnittlichen Ausmaß der QTc-Verlängerung:
| Rang | Substanz | QTc-Verlängerung |
|---|---|---|
| 1 | Thioridazin (Melleril®) | am ausgeprägtesten — regelmäßige EKG-Kontrollen erforderlich |
| 2 | Sertindol | stark |
| 3 | Pimozid (Orap®) | stark |
| 4 | Haloperidol | mittel |
| 5 | Ziprasidon | mittel |
| 6 | Quetiapin | mittel |
| 7 | Risperidon | gering bis mittel |
| 8 | Amisulprid | gering bis mittel |
| 9 | Clozapin | gering |
| 10 | Olanzapin | gering |
| 11 | Aripiprazol | am geringsten |
Wichtig: Substanzen, die einzeln jeweils die QTc-Zeit verlängern, können dies in Kombination noch deutlich stärker tun. Auch die Wirkstoffkonzentration am Wirkort — nicht die Dosis allein — bestimmt die Stärke der Nebenwirkung. Bei Risikopatienten (hohes Alter, weiblich, mehrere CYP-P450-hemmende Medikamente) kann daher eine Blutspiegelmessung sinnvoll sein.
Wann sollte man ein EKG schreiben?
| EKG | Zeitpunkt |
|---|---|
| 1. EKG | vor Beginn der Behandlung mit einem verdächtigen Medikament |
| 2. EKG | eine Woche nach Neuverabreichung oder Dosissteigerung |
| weitere EKG | bei Sertindol alle 3 Monate; bei anderen verdächtigen Medikamenten in etwas längeren, aber regelmäßigen Abständen |
Stand: August 2026
Was ist die QTc-Zeit überhaupt?
Die QT-Zeit ist die Zeit, die zwischen dem Beginn der Q-Zacke und dem Ende der T-Welle vergeht. Sie ist ein Maß für die Erregungsausbreitung in der Herzkammer. Da die QT-Zeit von der Herzfrequenz abhängt, wird sie frequenzkorrigiert — das Ergebnis ist die QTc-Zeit („c“ für corrected).
Häufige Fragen zur QTc-Zeit (FAQ)
Was ist der Normwert der QTc-Zeit?
Als kritisch gilt eine QTc-Zeit über 450 ms bei Männern und über 470 ms bei Frauen. Auch ein Anstieg um mehr als 60 ms unter Behandlung ist relevant.
Ab welcher QTc-Zeit muss man ein Medikament absetzen?
Wenn die genannten Grenzwerte überschritten werden oder die QTc-Zeit um mehr als 60 ms angestiegen ist, sollte das auslösende Medikament überdacht beziehungsweise abgesetzt werden.
Welches Psychopharmakon verlängert die QTc-Zeit am stärksten?
Unter den Neuroleptika ist die Verlängerung bei Thioridazin (Melleril®) am ausgeprägtesten. Unter den Antidepressiva sind vor allem Citalopram und Escitalopram relevant.
Warum ist eine verlängerte QTc-Zeit gefährlich?
Sie begünstigt Torsade-de-pointes-Tachykardien — Herzrhythmusstörungen, die tödlich enden können.
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine Orientierung für unkomplizierte Fälle und ersetzt keine ärztliche Einzelfallentscheidung. Bei vorbestehenden Erkrankungen oder Auffälligkeiten ist individuell vorzugehen.
Zum Ausdrucken: die Folien
Ich habe die wichtigsten Take-home-Messages zur QTc-Zeit auf Folien zusammengestellt. Wer sie für Fortbildungsveranstaltungen verwenden möchte, darf das gerne tun — unter Hinweis auf die Quelle.



Meine anderen Nachschlagewerke: Drug Monitoring · Kontrolluntersuchungen · Neuroleptika umrechnen · Antidepressiva umrechnen
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Welche Psychopharmaka die QTc-Zeit relevant verlängern und wie Du das im Alltag überwachst, gehört zu den Kontrolluntersuchungen im Videokurs Psychopharmaka.
Zuletzt aktualisiert: 7. August 2026
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Das ist ein Irrtum, dass dies jeder Psychiater weiß.
Auch die Durchführungen der EKG´s werden speziell in den Kliniken individuell geführt.
Während manche Kliniken, während des Aufenthalts bzw. der medikamentösen Therapie selbst ein EKG schreiben, schreiben andere direkt bei der Aufnahme ein EKG, und danach, wenn QT-Zeit beeinflussende Medikamente (oft in wilden Kombinationen) dazu kommen nicht mehr, was ich für inkompetent und grotesk halte.
Im niedergelassenen Bereich habe ich noch nie einen Facharzt für Psychiatrie kennen gelernt, welcher einen aus eigenem Antrieb heraus zu einem Kontroll-EKG geschickt hätte. Da muss man schon so mündig sein, um zu sagen „Hr. Dr., könnte ich bitte ein EKG haben, um meine QT Zeit zu überprüfen.“ was dann meist anstandslos gewährt wird, nach dem Motto („achja, genauuu“). Doch ist das, das Ziel und Zweck? Als Patient möchte ich dem Arzt vertrauen und nicht selbst Bücher wälzen.
Alles in allem erweckt es leider den Eindruck, dass sich nicht viele Ärzte mit der Materie beschäftigen, denn es gilt ja auch die Interaktionen zwischen einzelnen Wirkstoffen zu beachten, was auch Fachbereiche überlappend geschehen sollte. Allgemeinmedizin: z.b. Antibiotika + Psychopharmaka oder ebenso Medikamentengruppen die in Psychiatrien absolut nicht jeden Tag verschrieben werden. Bei einer Streptokokkenangina, bekommt man auch dort AB gereicht.
Exakt. Leider.
Sehr richtig. Kann ich als allgemeinarzt nur zustimmen! Mir hilft die App von ifap. Hier checke ich Kompatibilität.
in unserer psychiatr. Klinik auch eher selten ekg
Ich bin eine Frau, ich leide an Anorexia Nervosa und Bulimia Nervosa und nehme Quetiapin. Man würde sich vorstellen, in einer perfekten Welt sieht der zuständige Psychiater die drei Risikofaktoren (Cave Hypokaliämie bei BN!) und verlangt irgendwann mal ein EKG. In der realen Welt händigt er der Patientin drei Jahre lang regelmässig ein Rezept aus, ohne je mehr als drei Sätze mit ihr zu sprechen (Hallo, hier ist ihr Rezept, Tschüss). In einer perfekten Welt hätte eine Beschwerde bei der Landesärztekammer Erfolg und die Rechte und Interessen der Patienten würden ernst genommen – primum non nocere! In der realen Welt stellt sich die Krähe….ähm die Sprecherin der LÄK hinter die andere Kr—–den anderen Arzt.
Ehrlich, was ist los mit den Ärzten??
Sehr gute, einprägsame und knappe Darstellung. Vielen Dank!
Dann habe ich ja eine gute Ärztin der Phychiatrie. Sie verlangte erst ein EKG, wegen dem Qtc Wert.
Dann hat sie mir Medikamente aufgeschrieben, die mit der Apotheke und dem Hausarzt überprüfen lassen soll. Wegen der Verträglichkeit mit meinen anderen Medikamenten. Ich glaube , das sie jetzt das richtige Medikament für mich verschreibt.
Im vergangenen Jahr habe ich als Patientin in der Klinik die gleichen Erfahrungen gemacht: EKG bei der Aufnahme und dann nie wieder, obwohl während meines Aufenthaltes die Dosis von Venlafaxin und Mirtazapin erhöht wurde.
Nach der Entlassung war mein Psychiater dann doch sehr erstaunt, was in der Klinik alles so unterlassen wurde. Auch meine Hausärztin ist da sehr gewissenhaft. Die Kontrolle zeigte dann in der Folge (vierteljährlich) regelmäßig eine grenzwertige QTc-Zeit. Letztendlich musste ich das Mirtazapin absetzen.
Mein Psychiater will mich mit Olanzapin behandeln und hat mir an meine Hausärztin einen Überweisungsschein mit der Bitte um Bestimmung der QTc-Zeit ausgestellt. Geht doch!
Auch ich kann bestätigen, daß bei mir als Patient der zumindest der Unterschied vor und während der Behandlung mit Quetiapin nicht festgestellt wurde. Während der langjährigen Behandlung wurde der QTc-Zeit einige male kontrolliert.
Ja, ich denke auch, dass man als Patient:in leider selbst die Inititative ergreifen muss. Oft ist die Haltung bei Ärzten verbreitet „Och, bei den Minimaldosierungen wird ja schon nichts passieren ….“. Traurig, aber wahr.
Es ist sehr traurig, dass man als Patient vieles selbst ansprechen und sogar einfordern muss und trotzdem oft noch gegen Wände rennt.