Buspiron ist ein Medikament gegen Angst, das sich grundlegend von Benzodiazepinen unterscheidet: Es macht nicht abhängig, wirkt nicht sedierend und hat kein Missbrauchspotenzial. Dafür setzt die Wirkung erst nach einigen Wochen ein. Warum Buspiron trotzdem eine wichtige Rolle in der Behandlung von Angststörungen spielt, erkläre ich in meinem Video:
Was ist Buspiron?
Buspiron ist seit 1986 in Deutschland zugelassen und gehört zur Gruppe der Azaspiron-Anxiolytika. Es wird auch als „Serotonin-Stabilisierer“ bezeichnet. Im Gegensatz zu den Benzodiazepinen ist Buspiron weder chemisch noch pharmakologisch mit Benzodiazepinen, Barbituraten oder anderen sedierenden Substanzen verwandt. Es ist in Deutschland als Generikum erhältlich, z.B. als Busp®, Buspiron-neuraxpharm®, Buspiron-ratiopharm®, Buspiron 1A Pharma® und Buspiron-HEXAL®.
Wirkung von Buspiron
Buspiron wirkt als Serotonin-Rezeptor-Partialagonist. Es bindet als kompletter Agonist an präsynaptische 5-HT1A-Rezeptoren und als partieller Agonist an postsynaptische 5-HT1A-Rezeptoren. Möglicherweise wirkt es auch als Antagonist an D2-Rezeptoren. Diese Kombination geht offenbar mit einer Angstlinderung einher.
Der entscheidende Punkt: Buspiron hat keine Affinität zum GABA-Rezeptor. Daher ist es plausibel, dass es wirklich kein Abhängigkeitspotenzial hat. Es wirkt nicht sedierend und nicht muskelrelaxierend — ein großer Vorteil gegenüber Benzodiazepinen.
Die Wirkung tritt allerdings verzögert ein: Erst nach 2–4 Wochen bessert sich die Angstsymptomatik in der Regel spürbar. Man sollte die Patienten darüber aufklären und die Behandlung mindestens 6–8 Wochen durchführen, bevor man sie als unwirksam einschätzt.
Klinischer Einsatz bei Angststörungen
Buspiron ist zugelassen zur Behandlung der Generalisierten Angststörung und zur symptomatischen Behandlung von Angstzuständen. In der Praxis wird es besonders häufig als Augmentation zu einem SSRI oder SNRI eingesetzt: Wenn das Antidepressivum allein nicht ausreichend gegen die Angst wirkt, kann Buspiron die serotonerge Aktivität an den präsynaptischen Autorezeptoren unterstützen und so zur Wirkung des Antidepressivums beitragen. Diese Kombination ist in Studien mit über 300.000 Patienten geprüft und wird überwiegend gut vertragen.
Dosierung von Buspiron
Die Behandlung wird üblicherweise mit 3 × 5 mg pro Tag begonnen. Die Dosis kann dann auf 20–30 mg/Tag gesteigert werden, verteilt auf mehrere Tagesdosen. Die Höchstdosis liegt bei 60 mg/Tag, aufgeteilt auf mindestens 2 Einzeldosen von maximal 30 mg. Buspiron sollte immer zur gleichen Tageszeit und entweder immer auf nüchternen Magen oder immer nach den Mahlzeiten eingenommen werden, da die Bioverfügbarkeit durch Nahrungsmittel beeinflusst wird.
Wechselwirkungen
Buspiron wird über das Enzym CYP 3A4 in der Leber abgebaut. Wird gleichzeitig ein starker CYP-3A4-Inhibitor eingenommen, sollte die Anfangsdosis niedriger gewählt werden. Auch Grapefruitsaft hemmt CYP 3A4 und kann zu einem Anstieg des Blutspiegels führen. Umgekehrt ist z.B. Carbamazepin® ein Induktor des CYP 3A4, was zu einem erniedrigten Buspironspiegel führen kann.
Nebenwirkungen
Die Nebenwirkungen treten oft zu Beginn der Behandlung verstärkt auf und klingen nach einigen Wochen häufig ab. Häufige Nebenwirkungen sind:
- Sehr häufig (mehr als 10 %): Schwindel, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit
- Häufig (1–10 %): Übelkeit, Schlaflosigkeit, Nervosität, Benommenheit, Tremor
- Selten: Extrapyramidalmotorische Störungen (EPMS), in Einzelfällen Krampfanfälle
In seltenen Fällen kann Buspiron — wie alle serotonergen Substanzen — ein Serotoninsyndrom auslösen, insbesondere in Kombination mit anderen serotonergen Medikamenten. Blutspiegelkontrollen und eine Aufmerksamkeit für ein mögliches serotonerges Syndrom sind daher sinnvoll.
Mein persönliches Fazit
Die erste Therapielinie bei Angsterkrankungen sind für mich SSRI oder SNRI. Wenn diese nicht ausreichen, ist Buspiron eine gute Augmentation — insbesondere, weil es keine Abhängigkeit erzeugt. Und gerade Angstpatienten entwickeln bei Gabe von Benzodiazepinen oft schnell eine sehr hartnäckige Abhängigkeit, die zu erheblichen Problemen führen kann. Der verzögerte Wirkeintritt von Buspiron ist praktisch kein Problem, man muss allerdings sehr explizit darüber aufklären. Die Kombination mit einem SSRI oder SNRI ist bewährt und auch gut verträglich.
Buspiron behandele ich auch im Videokurs Psychopharmaka — dort konziser und zum strukturierten Lernen aufbereitet, mit Video und Folien zum Mitnehmen.
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