Opipramol (Handelsname Insidon) gehört zu den erstaunlich häufig verordneten Psychopharmaka in Deutschland — es belegt auf der Rangliste der am häufigsten verordneten Psychopharmaka einen der vorderen Plätze. Es ist ein im stationären Bereich eher selten verordnetes Medikament, das sich aber bei niedergelassenen Hausärzten, Internisten und auch bei niedergelassenen Psychiatern großer Beliebtheit erfreut.
Pharmakologie
Opipramol hemmt weder die Wiederaufnahme von Serotonin noch die Wiederaufnahme von Noradrenalin — es wirkt also ganz anders als die meisten anderen Antidepressiva. Mutmaßlich aufgrund der Hemmung von Sigma-1-Rezeptoren entwickelt es eine milde antidepressive und angstlösende Wirkung. Aufgrund der Blockade der Histaminrezeptoren wirkt es sedierend.
Klinischer Einsatz
Opipramol wird für ein breites Indikationsgebiet angewendet, das von Depressionen über Angststörungen, Anspannungszustände, Schlafstörungen bis hin zu Zwangsstörungen reicht. Vielen Patienten hilft es auch sehr gut und erweist sich gleichzeitig als gut verträglich. Dann ist es ein gutes Medikament für diese Patienten.
Ich persönlich verschreibe es praktisch nur dann, wenn es eine erfolgreiche Vorbehandlung mit Opipramol gibt. Ansonsten bevorzuge ich die Kombination aus einem modernen Antidepressivum und einem niederpotenten Neuroleptikum: Das Antidepressivum wirkt dann stimmungsaufhellend und lindert Ängste, das niedrig dosierte niederpotente Neuroleptikum wirkt sedierend und ebenfalls angstlindernd (Neuroleptanxiolyse). Dabei kann ich die einzelnen Wirkkomponenten unabhängig voneinander dosieren.
Dosierung
- Tagesdosierung: 50–300 mg, aufgrund der Sedierung abends gegeben
- Niedrige Dosierung: 50–100 mg abends
- Mittelhohe Dosierung: 50–50–100 mg (morgens–mittags–abends)
- Hohe Dosierung: 100–100–100 mg
Nebenwirkungen
Zu Beginn der Behandlung treten manchmal Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit und in manchen Fällen Potenzstörungen auf. Bei sehr hohen Dosierungen können eventuell die Nebenwirkungen von Neuroleptika eintreten, z. B. EPMS.
Zumeist treten diese Nebenwirkungen aber nur in der Anfangszeit (erste Tage bis Wochen) der Einnahme auf und sind nur schwach ausgeprägt.
Mein persönliches Fazit
Opipramol hilft vielen Patienten insbesondere bei eher unspezifischen Beschwerden und ist gut verträglich. Pharmakologisch ist es überwiegend ein Sedativum. Aber wie heißt es ganz zurecht: „Wer heilt, hat Recht …“.