Desvenlafaxin ist der aktive Metabolit des bekannten Antidepressivums Venlafaxin und gehört zur Klasse der SSNRI (selektive Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer). In den USA ist Desvenlafaxin bereits seit 2008 zugelassen, in Europa erst seit Herbst 2022. Es ist zugelassen zur Behandlung der Major Depression bei Erwachsenen. Handelsnamen sind z. B. Pristiq®, Desvenlafaxin-neuraxpharm® und Desvenlafaxin Glenmark®.
Pharmakologie von Desvenlafaxin
Wenn ein Patient Venlafaxin einnimmt, wird dieses in der Leber zum aktiven Metaboliten Desvenlafaxin umgewandelt. Gibt man Desvenlafaxin direkt, entfällt dieser erste Metabolisierungsschritt. Das macht Desvenlafaxin besonders geeignet für Patienten mit Leberfunktionsstörungen, bei denen die Umwandlung von Venlafaxin beeinträchtigt sein kann.
Bereits in der Startdosis von 50 mg pro Tag zeigt Desvenlafaxin eine höhere noradrenerge Wirkung als Venlafaxin in vergleichbarer Dosis. Dies ergibt sich aus den unterschiedlichen Bindungsstärken der beiden Substanzen an den jeweiligen Rezeptoren. Ob sich dies auch klinisch so deutlich zeigt, ist noch nicht abschließend geklärt.
Etwa 45 % des Desvenlafaxins werden unverändert über den Urin ausgeschieden, der Rest wird in der Leber über das Enzym CYP3A4 metabolisiert. Da die in Deutschland erhältliche Form eine Retardtablette ist, reicht eine einmal tägliche Gabe aus.
Dosierung von Desvenlafaxin
Die Standarddosis beträgt 50 mg morgens. Bei vielen Patienten ist diese Dosis bereits ausreichend — ein Vorteil gegenüber Venlafaxin, das häufig höher dosiert werden muss. Nur wenn diese Dosis nicht ausreicht oder der Blutspiegel zu niedrig ist, kann man jede Woche um 50 mg steigern, bis zu einer Tagesdosis von maximal 200 mg.
Die niedrige Standarddosis von 50 mg sollte man üblicherweise einhalten. Auch durch die niedrige Dosis kann die Verträglichkeit besser sein als bei höher dosierten Venlafaxin-Therapien.
Nebenwirkungen von Desvenlafaxin
Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Schlaflosigkeit, Unruhe, Anorgasmie, Schwindel, Kopfschmerzen, Tachykardie, Hyperhidrose und Reizbarkeit. Diese Nebenwirkungen sind denen des Venlafaxins sehr ähnlich, was angesichts der engen Verwandtschaft der beiden Wirkstoffe nicht überrascht.
Wie Venlafaxin kann auch Desvenlafaxin Absetzsymptome verursachen. Wenn es abgesetzt werden soll, wird ein schrittweises Ausschleichen empfohlen. Es gibt Hinweise darauf, dass Desvenlafaxin bereits in niedrigeren Dosierungen noradrenerg wirkt und einige Nebenwirkungen — darunter auch die unerwünschten Wirkungen im sexuellen Bereich — möglicherweise weniger stark ausgeprägt sind als unter Venlafaxin.
Mein persönliches Fazit zu Desvenlafaxin
Wirkungen und Nebenwirkungen von Desvenlafaxin sind denen des Venlafaxins ähnlich. Das ist zu erwarten, denn schließlich entsteht Desvenlafaxin auch im menschlichen Körper, wenn man die Muttersubstanz Venlafaxin gibt. Die Vorteile liegen in der besseren Eignung bei Leberfunktionsstörungen, der unkomplizierten Standarddosis von 50 mg und der möglicherweise besseren Verträglichkeit in niedrigeren Dosierungen — insbesondere im Hinblick auf sexuelle Nebenwirkungen.
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