Mirtazapin: Wirkung, Dosierung und Nebenwirkungen

Mirtazapin ist ein Antidepressivum, das vor allem wegen seiner schlaffördernden und beruhigenden Wirkung eingesetzt wird – viele Menschen kennen es als Mirtazapin zum Schlafen. Es gehört zur Gruppe der NaSSA (noradrenerg und spezifisch serotonerge Antidepressiva) und wird besonders häufig bei Depressionen mit Schlafstörungen oder innerer Unruhe verordnet. In diesem Artikel erkläre ich dir, wie Mirtazapin wirkt, welche Dosierung zum Schlafen sinnvoll ist und welche Nebenwirkungen auftreten können.

Pharmakologie

Mirtazapin ist ein tetrazyklisches Antidepressivum. Es ist noradrenerg und spezifisch serotonerg (NaSSA). Zusätzlich blockiert es präsynaptische α₂-Rezeptoren, was eine Modulation der Serotoninfreisetzung bewirkt. Es hemmt die Serotoninrezeptoren 5-HT₂ und 5-HT₃, nicht jedoch 5-HT₁. Hierdurch wird die Serotoninwirkung auf den 5-HT₁-Rezeptor relativ verstärkt, daher die Bezeichnung selektiv serotonerg.

Darüber hinaus bewirkt Mirtazapin eine starke Hemmung des Histaminrezeptors H₁. Aus diesem Grund ist es stark sedierend. Diese Sedierung ist bei niedrigen Dosierungen oft stärker ausgeprägt als bei höheren, da bei steigender Dosis die noradrenerge Komponente zunehmend aktivierend wirkt.

Klinischer Einsatz

Mirtazapin wird klinisch vor allem bei agitierten Depressionen und bei Depressionen mit ausgeprägten Schlafstörungen eingesetzt. Bereits eine Dosis von 7,5 mg zur Nacht hat einen deutlichen schlafanstoßenden Effekt.

In der Praxis wird Mirtazapin häufig als Zusatzmedikament zu einem SSRI eingesetzt: Der SSRI wird morgens gegeben, Mirtazapin in niedriger Dosis (7,5–15 mg) abends dazu. Diese Kombination verbessert den Schlaf und kann die antidepressive Wirkung ergänzen.

Mirtazapin zum Schlafen – welche Dosierung?

Der schlaffördernde Effekt von Mirtazapin ist ein H1-(Histamin-)Effekt und damit schon in sehr niedriger Dosis stark ausgeprägt. Paradox, aber klinisch wichtig: In niedriger Dosis sediert Mirtazapin oft stärker als in hoher Dosis, weil bei steigender Dosis die aktivierende noradrenerge Komponente zunimmt.

  • 7,5 mg zur Nacht: rein schlafanstoßend, praktisch nicht antidepressiv – für die meisten Menschen die richtige Dosis
  • 15 mg zur Nacht: gut schlaffördernd, kann aber bei manchen Menschen schon einen morgendlichen Überhang auslösen und zu Gewichtszunahme führen. Besser schlafanstoßend als 7,5 mg ist diese Dosis meistens nicht.
  • ab 30 mg: antidepressive Wirkung vorhanden, aber meist deutliche Gewichtszunahme und Müdigkeit

Wird Mirtazapin nur zum Schlafen eingesetzt, reichen also meist 7,5–15 mg abends. Wichtig: Mirtazapin macht nicht abhängig – anders als Benzodiazepine oder Z-Substanzen.

Dosierung

  • 7,5 mg zur Nacht: schlafanstoßend
  • 15–30 mg zur Nacht: mittlere antidepressive Wirkung, Schlafstörungen klingen ab
  • 30–45 mg zur Nacht: gute antidepressive Wirkung, morgendlicher Overhang häufig

Die Dosis wird in der Regel einmal täglich abends gegeben. Bei höheren Dosierungen sollte man gezielt nach einem morgendlichen Überhang fragen und gegebenenfalls die Dosis reduzieren.

Nebenwirkungen

Neben der Sedierung, die bei getriebenen Patienten oftmals eine gewünschte Wirkung ist und auch subjektiv als Schlafverbesserung in vielen Fällen begrüßt wird, gibt es noch eine weitere Nebenwirkung, die allerdings eindeutig negativ ist: Mirtazapin führt häufig zu einer deutlichen Gewichtszunahme. Darüber hinaus verstärkt es die sedierenden Eigenschaften von Alkohol und Benzodiazepinen.

Um den Schlaf zu verbessern, wird deshalb oft zusätzlich zum morgendlichen SSRI Mirtazapin in niedriger Dosis abends dazugegeben. Mit Abklingen der akuten depressiven Symptomatik kann Mirtazapin abgesetzt werden, der SSRI wird weitergegeben.

Mein persönliches Fazit

Mirtazapin wirkt bereits in einer Dosis von 7,5 mg zur Nacht gut schlaffördernd und entlastet viele depressive Patienten, die unter Schlafstörungen leiden, bereits ab der ersten Gabe. Ich kombiniere daher oft 10 mg Escitalopram morgens mit 7,5–15 mg Mirtazapin abends.

Wenn die Depression – und mit ihr die Schlafstörung – abgeklungen ist, setze ich das Mirtazapin ab und verschreibe Escitalopram zur Rezidivprophylaxe. Eine antidepressive Medikation nur mit Mirtazapin wähle ich selten, da es zu oft zu einer deutlichen Gewichtszunahme führt.

Häufige Fragen zu Mirtazapin (FAQ)

Welche Mirtazapin-Dosierung wirkt am besten zum Schlafen?

Zum Schlafen reichen meist 7,5–15 mg abends. Diese niedrige Dosis wirkt oft sogar stärker sedierend als eine höhere, weil bei steigender Dosis die aktivierende noradrenerge Wirkung zunimmt. Für die meisten Menschen sind 7,5 mg die richtige Dosis.

Kann man Mirtazapin bei Bedarf nehmen?

Mirtazapin wird meist regelmäßig abends gegeben. Als reines Bedarfs-Schlafmittel ist es weniger gebräuchlich als etwa Z-Substanzen, kann aber bei einzelnen Patienten abends bei Bedarf eingesetzt werden – am besten in Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt.

Macht Mirtazapin abhängig?

Nein. Anders als Benzodiazepine oder Z-Substanzen (Zolpidem, Zopiclon) macht Mirtazapin nicht abhängig.

Warum macht Mirtazapin in niedriger Dosis müder als in hoher?

Die Sedierung entsteht über die Blockade des Histaminrezeptors H1. Bei höheren Dosen kommt die aktivierende noradrenerge Wirkung hinzu, die der Müdigkeit teilweise entgegenwirkt.

Welche Nebenwirkung ist bei Mirtazapin am wichtigsten?

Die häufige und deutliche Gewichtszunahme. Sie ist der Hauptgrund, warum Mirtazapin als alleiniges Antidepressivum oft nicht erste Wahl ist.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Einnahme, Dosierung und Absetzen sollten immer mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.

Schreibt mal eure Erfahrungen mit Mirtazapin auf. In welcher Dosis nehmt ihr es, wie gut hilft es euch beim Schlafen, und wie kommt ihr mit der Gewichtszunahme zurecht? Schreibt es gerne in die Kommentare – euer Austausch hilft anderen.

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2026

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3 Gedanken zu “Mirtazapin: Wirkung, Dosierung und Nebenwirkungen

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