
In diesem Blog und in meinem Buch möchte ich die Psychopharmakologie so verständlich wie möglich darstellen. Jeder, der sich hier umschaut, soll sich ein eigenes, gut informiertes Bild von der Wirkungsweise, den Nebenwirkungen, den Dosierungen und dem typischen klinischen Einsatz der wichtigsten Psychopharmaka machen können.
Im Buch Psychopharmakologie griffbereit gebe ich eine angeleitete Einführung in die Psychopharmakologie. Man kann praktisch bei Null beginnen und im Laufe des Buches die grundlegenden Prinzipien der Psychopharmakologie sowie eine von mir sorgfältig getroffene Auswahl der wichtigsten Psychopharmaka kennenlernen. Zu jedem Medikament gibt es ein Kapitel, dass nach einer kurzen Einführung die Bereiche Pharmakologie, Klinischer Einsatz, Dosierung und Nebenwirkungen behandelt. Die Kapitel werden jeweils mit meiner persönlichen und bewußt subjektiven Einschätzung abgeschlossen, so dass es einfacher ist, sich ein Bild vom jeweiligen Medikament zu machen. Neben den Hauptgruppen der Psychopharmaka gibt es auch Kapitel zu Genussmitteln und Drogen sowie den entsprechenden medikamentösen Behandlungen dieser Erkrankungen im psychiatrischen Krankenhaus sowie weiterführende Kapitel etwa zu den Themen Gerontopsychiatrie, Medikation in der Schwangerschaft und Medikamenteninteraktionen.
Die Zielgruppe des Buches ist für ein Sachbuch eher breit: Es ist sehr gut geeignet für Ärzt:innen in der Weiterbildung zur Fachärzt:in für Psychiatrie und Psychotherapie, aber auch für Ärzt:innen anderer Fachrichtungen, für Psycholog:innen, Sozialarbeiter:innen, Pflegekräfte und andere in der Psychiatrie tätige. Auch für Betroffene und Angehörige kann das Buch als Orientierungshilfe dienen, sich ein besseres Bild von den Möglichkeiten, Grenzen und Besonderheiten bestimmter Medikationen zu machen.
Die Nachfrage nach dem Buch ist erfreulicherweise kontinuierlich so hoch, dass seit der Erstauflage 2015 jedes Jahr eine neue Auflage erschien. Und so ist es mir eine besondere Freude, zu verkünden, dass am 7.11.2018 die vierte Auflage erscheint!
Die ersten drei Auflagen sind im Schattauer Verlag erschienen, der im letzten Jahr mit dem Thieme-Verlag zusammen gegangen ist, und so erscheint mein Buch ab jetzt bei Thieme. Das hat unter anderem den großen Vorteil, dass mit jedem gedruckten Buch jetzt ein Download-Code vergeben wird, über den der Käufer das Buch ohne zusätzliche Kosten zusätzlich auch in der kostenloses eRef App von Thieme lesen kann. Und hier sind auch wichtige Aktualisierungen möglich, so dass die eRef Version stets aktuell bleibt. So habt ihr das Buch jederzeit auf dem Handy und Tablett dabei!
In der Überarbeitung für die vierte Auflage habe ich alle Kapitel auf Aktualität geprüft und in vielen Details überarbeitet. Das Kapitel über die Rezeptorbindungsprofile habe ich neu geschrieben mit sehr anschaulich gestalteten Grafiken wie diesen hier:


Die vierte Auflage des Buches, jetzt mit kostenloser eRef Anbindung, ist ein guter Einstieg in die Welt der Psychopharmakologie und zugleich ein gut verständliches Nachschlagewerk für Ärzte, in der psychiatrischen Behandlung Tätige und auch für Betroffene und deren Angehörige.
Bei Thieme findet ihr das Buch hier, bei Amazon hier.
e-learning
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Karteikartenlernprogramme
Es heißt ja, Medizinstudenten hätten die geheime Superkraft, alles, aber auch alles auswendig lernen zu können. Gerne wird behauptet, ein strebsamer Medizinstudent lerne für die nächste Prüfung auch ein Telefonbuch auswendig. Natürlich unterscheidet sich das Gehirn eines Medizinstudenten nicht von dem irgend eines anderen Menschen, der wahrscheinlich der Meinung sein wird, er könnte nicht so gut auswendig lernen. Medizinstudenten haben aber folgende heilige Regel verinnerlicht:
Du kannst wirklich alles auswendig lernen, wenn Du es mindestens sieben mal wiederholst.
So einfach ist das. Und daher hat auch praktisch jeder Medizinstudent einen Karteikasten mit sehr vielen zumeist bunten Zetteln drin. Auf der Vorderseite steht eine Frage, auf der Rückseite steht die richtige Antwort. Viele kennen das System vom Vokabellernen, es funktioniert aber auch mit der Frage, welche Medikamente die Protonenpumpe im Magen hemmen.
Das bewährte Lernsystem nach Leitner
Wirklich kraftvoll wird der Zettelkasten, wenn man ihn folgendermaßen benutzt:
- Zunächst legt man sich hintereinander sieben Fächer an. Alle neuen Karteikarten kommen ins vorderste Fach.
- Dann geht man Karte für Karte durch. Die Karten, die man sofort kann, kommen ins zweite Fach, die, die man nicht kann, bleiben im ersten Fach.
- Am nächsten Tag beginnt man mit den Karten im vordersten Fach und verfährt wie zuvor. Danach nimmt man die Karten aus dem zweiten Fach. Die Karten in den hinteren Fächern muss man nicht täglich wiederholen, alle zwei bis drei Tage kann ausreichend sein, je nachdem, wieviel Zeit man hat, bis man alles sehr gut drauf haben muss.
- Karten, die man wieder richtig hat, legt man zumindest ein Fach weiter nach hinten, wenn man sie sehr gut kann, auch zwei oder drei Fächer weiter nach hinten. Karten, die man gar nicht kann, legt man zurück ins erste Fach, Karten, bei denen man etwas unsicher ist, legt man ein Fach weiter nach vorne.
- So ergibt es sich, dass man Karten, die man schon drauf hat, jeden Tag ein Fach nach hinten durchreicht, während die Karten, die man nicht drauf hat, in den vorderen Fächern bleiben. Diese Karten wiederholt man entsprechend öfter. Und zwar, bis man sie kann, und sie nach ganz hinten durchgereicht worden sind.
- Die Karten im siebten und damit letzten Fach kann man guten Gewissens dort liegen lassen und erst kurz vor der tatsächlichen Prüfung noch einmal wiederholen.
Dieses System heißt „Leitner-System“ und wirkt Wunder, wenn man es regelmäßig anwendet.
Ich habe im Studium zum Physikum und zu jeder der drei Staatsexamina mindestens einen Schuhkarton mit kleinen, recycelten Zetteln auf diese Art vollgeschrieben und gelernt. Die Papierform hat einen besonderen Vorteil: Nach bestandenen Staatsexamen kann man alle seine schriftlichen Unterlagen nehmen, auch die Karteikarten, und mit seinen Freunden zusammen feierlich verbrennen. Die Karteikarten funktionieren am Ende ihres Lebens noch sehr gut als Grillanzünder. Das gibt schöne Partys!
Die elektronische Form
Inzwischen gibt es natürlich eine Reihe von Apps, die genau nach diesem System vorgehen. Der Vorteil gegenüber den Karteikarten ist, dass man sie mit seinem Handy immer dabei hat und immer mal wieder hervorziehen kann. So werden die U-Bahn-Fahrt, das Warten an der Kasse und andere Pausen, in denen man sonst nur Instagram gecheckt hätte, unkompliziert zu einer kleinen Lerneinheit.
Ich habe in den letzten Monaten viele verschiedene Karteikarten-Apps getestet, und teile hier jetzt mit, welche ich am Besten finde.
Die Auswahlkriterien waren folgende:
- Die App muss auf dem Mac verfügbar sein, um dort die Karten zu erstellen, und auf dem iPad und iPhone, um sie damit zu üben.
- Die App muss nach dem Leitner-System vorgehen, also Karten, die man schon kann, seltener abfragen.
Das schränkt das Feld schon ganz schön ein. Es gibt mehrere gute Apps:
Wokabulary
Mein 10-jähriger Sohn übt seine Englisch-Vokabeln mit Wokabulary. Das erfüllt alle Kriterien, ist wirklich kinderleicht zu bedienen, spricht die englischen Wörter nach jeder Karte selbständig korrekt aus und hat auch die Möglichkeit, dass man die Antwort eintippen muss, was für die Vorbereitung auf schriftliche Tests sehr hilfreich ist. Am iPhone sieht es so aus:

Die Streifen im Kopf unten links an der Karte zeigen, in welchem Fach diese Karte liegt. Mit dem grünen Häkchen oder dem roten X gibt man an, ob man sie richtig hatte. Durch Wiederholung kann man alles lernen!
Studies
Eine lange Zeit habe ich Studies verwendet. Es bietet wirklich sehr viele Möglichkeiten, unter anderem Karten mit mehr als zwei Seiten, Bilder, Multiple-Choice Antworten und einiges mehr. Es ist wahrscheinlich die leistungsfähigste App. Am iPhone sieht der Fragemodus so aus:


Kartenheld
Fast genauso leistungsfähig, aber einfacher in der Anwendung ist Kartenheld. Es sieht am iPhone so aus:


Besonders gut gefällt mir, dass man sich anzeigen lassen kann, wieviele Karten in welchem Fach liegen:


Am Mac kann man die Karten einfach und schön gestalten und hat auch dort alle Optionen der Abfrage:



Mit Kartenheld kann man seine Lernkarten auch beidseitig auf Papier ausdrucken, ausschneiden und dann wie normale Lernkarten verwenden. Sehr praktisch!

Kartenheld gibt es auch für Windows, was mir vollkommen gleichgültig ist.
Mein aktueller Favorit: Kartenheld
Ich verwende aktuell Kartenheld, weil es für mich den besten Kompromiss aus Einfachheit und Anpassungsfähigkeit bietet. Es hat alle Funktionen, die ich brauche und ist völlig intuitiv bedienbar. Es hat seit einiger Zeit Studies für mich ersetzt, das ich früher oft verwendet habe. Bei Studies ist schöner, dass man Karten zu verschiedenen Wissensgebieten in einer Wissensbibliothek verwaltet, und so auch gemischt lernen kann. In Kartenheld kann man verschiedene Kartensätze anlegen, diese dann aber auch nur getrennt lernen. Alternativ kann man allerdings auch einen Kartensatz anlegen, und die verschiedenen Fachgebiete als Kapitel darstellen, dann kann man auch hier alle seine Wissensgebiete durcheinander lernen.
Eine kostenlose Probeversion von Kartenheld für den Mac gibt es hier, für iOS hier.
Vorgefertigte Karteikarten
Um ehrlich zu sein, habe ich überlegt, für das Buch Psychopharmakologie griffbereit Lernkarten zu erstellen und den Lesern zur Verfügung zu stellen. Allerdings bin ich mir nach einigen Versuchen bewußt geworden, dass für jeden Leser andere Informationen relevant sein können und dass man wesentlich mehr lernt, wenn man sich die Mühe macht, seine Karten selbst zu erstellen. Wobei, als kurzes Repetitorium hätte es schon was…
Ein neuer PsychCast ist draußen: PC075 Evidenz basierte Medizin mit Dr. Iris Hinneburg

In dieser Episode geht es um einige Grundlagen der EbM, Besonderheiten der Psycho-Fächer in diesem Zusammenhang, Implementierungsforschung und einiges mehr. Und wir sprechen über die Demut, die uns EbM lehren darf…
Ihr findet Iris bei Twitter hier: @irishinneburg. Ihre Webseite ist https://medizinjournalistin.blogspot.com
Den Podcast Evidenzbasierte Pharmazie (aktuell mit Journal Club) findet ihr hier: https://medizinjournalistin.blogspot.com/search/label/EbPharmPodcast
Und den Podcast Evidenzgeschichten findet ihr hier: https://evidenzgeschichten.podigee.io/
Neu: #tweetorials zu den Episoden und noch mehr Hintergründe: https://twitter.com/EvidenzG @evidenzg
Im Podcast empfiehlt Iris das EBM Netzwerk: https://www.ebm-netzwerk.de/.
Das im Podcast empfohlene Psychiatrie Lehrbuch von Prof. Berger, dass EbM konsequent in der Darstellung des Wissens verwendet, findet ihr hier.
Die Folge findet ihr hier.
Viel Spaß beim Hören!
Podcastempfehlung: Evidenzbasierte Pharmazie

Ich hatte heute insgesamt vier Stunden Autofahrt auf dem Plan, und nachdem ich meine üblichen Podcasts gehört hatte, habe ich mir eine Episode eines neu entdeckten Podcasts angehört: Evidenzbasierte Pharmazie. Die Medizinjournalistin Dr. Iris Hinneburg berichtet in Interviews mit Gästen oder mit ihrer Kollegin Silke Jäger über die verschiedenen Aspekte der Evidenzbasierung aus Sicht der Pharmazie. Manchmal werden Studien sehr gründlich analysiert und diskutiert, in anderen folgen werden verschiedene Themen angesprochen, und immer wird in wirklich allgemeinverständlicher Form Grundwissen zur Kunst der Wissensgewinnung und zu den Fallstricken auf dem Weg dahin vermittelt.
Besonders interessant finde ich die „Evidenz-Geschichten“, in denen Klassiker der Geschichte der EBM erzählt werden, jeweils mit der Frage, was an diesem Beispiel heute noch relevant ist. Eine Episode berichtet über die nicht-veröffentlichten Studien zu Tamiflu, durch die dessen Gesamtbewertung wesentlich schlechter ausfällt, eine andere über die Risiken der nachträglichen Subgruppenanalyse bei klinischen Studien, und wie es eine Subgruppenanalyse nach Sternzeichen in den Lancet geschafft hat.
Die Autofahrt verging wie im Flug, ich habe erst kurz vor dem Ziel aufs Radio umgeschaltet. Da war nämlich mein mobiles Datenvolumen aufgebraucht… 🙂
Die Webseite zum Podcast findet ihr hier, der Feed lautet http://medizinjournalistin.podhost.de/rss.
Memorable Psychopharmacology

Ich habe ein wirklich großartiges Buch entdeckt.
Memorable Psychopharmacology vom amerikanischen Autor Jonathan Heldt hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Gebiet der Psychopharmakologie einfach und anschaulich zu erklären. Das ist ungemein viel wert, da fast alle anderen Bücher zur Psychopharmakologie oft sehr kompliziert geschrieben sind. Eine Ausnahme bildet noch der großartige “Prescribers Guide“ von Stephen Stahl, aber sonst gibt es nicht viele Bücher zu dem Thema, die man beim einfachen Durchlesen gut verstehen kann.
Darüber hinaus wird Memorable Psychopharmacology seinem Titel gerecht, indem es praktisch jeden einzelnen Aspekt, den man sich für eine Prüfung oder für die eigene klinische Praxis merken will, mit Eselsbrücken untermauert.
Beide Aspekte sind ungemein bereichernd. Der erste, die einfache Darstellung, liegt mir besonders am Herzen, und ich versuche in meinem eigenen Buch, Psychopharmakotherapie griffbereit, ja ebenfalls, das Gebiet einfach und anschaulich zu erklären.
Der zweite Aspekt, die Merkhilfen, sind ebenfalls sehr einprägsam. Was haltet ihr zum Beispiel von dieser hier:
Neuroleptic malignant syndrome presents as a FEVER:
- Fever
- Encephalopathy
- Vital sign instability
- Elevated WBC and CPK
- Rigidity
OK, man muss sich natürlich englische Eselsbrücken merken, aber teilweise lassen sie sich ja auch ohne Probleme ins Deutsche übertragen. Die Merkhilfe für die Symptomatik des Malignen Neuroleptischen Syndroms wäre dann also:
Malignes Neuroleptisches Syndrom: FEVER
- Fieber
- Enzephalopathie
- Vitalzeicheninstabilität
- Erhöhte weiße Blutkörperchen und Thrombozyten
- Rigidität.
Das kann man doch kaum wieder je vergessen. Der Text führt dann noch einmal ausführlich aus, dass Fieber, auch hohes Fieber, ein wirklich häufiges Symptom des Malignen neuroleptischen Syndroms ist, und das man dies gut als differentialdiagnostisches Kriterium zum Serotoninsyndrom heranziehen kann, für das es auch eine Merkhilfe gibt…
Oder diese Eselsbrücke:
- Eine mögliche Nebenwirkung von Trazodon ist der Priapismus. Merkhilfe: Trazobone.
Ich bin gerade dabei, das Buch zu lesen und habe wirklich schon einiges dazu gelernt. Ich kann es wirklich von ganzem Herzen empfehlen. Ich werde sicher in einigen der nächsten posts etwas aus dem Buch aufgreifen. Wer Interesse an Psychopharmakotherapie hat und gute Didaktik zu schätzen weiß, der ist hier genau richtig.
Bei Amazon findet ihr das Buch hier. Wer einen kindle sein eigen nennt, kann es sogar über die kindle-Leihbibliothek kostenlos ausleihen. Also unbedingt zugreifen!
Und schreibt doch hier in die Kommentare gerne mal, welche Merkhilfen ihr im Bereich der Psychiatrie und Psychopharmakotherapie besonders eingängig findet. Ich bin gespannt!
Würdest Du ein medizinisches Fachbuch als Hörbuch hören?
Du liest blogs, sonst wärst Du nicht hier. Wahrscheinlich hörst Du auch Podcasts. Hip. Interessanterweise verfolgt die klassische Aus- und Weiterbildung in der Medizin immer noch eine andere Art der Wissensvermittlung: Bücher. Nun haben Bücher viele große Vorteile. Sie halten lange, man kann sie ins Regal stellen, man kann sehr gut etwas nachschlagen. Aber sie haben auch einen wesentlichen Nachteil. Man müsste sie lesen. Und wer hat dazu bitte schön Zeit.
Da stellt sich mir die Frage, ob nicht auch ein medizinisches Fachbuch mal als Hörbuch präsentiert interessant sein könnte. Im Auto beim Pendeln zur Arbeit, beim Joggen, zum Hören habe ich jedenfalls öfter Zeit als zum Lesen. Und das Angebot bei Audible ist ja eher auf Unterhaltung und Business-Titel konzentriert. Daher möchte ich von Euch wissen: Habt ihr schon mal ein medizinisches Fachbuch als Audio-Book gehört? Würdet ihr das mal ausprobieren wollen? Stimmt doch bitte mal bei meiner Umfrage ab!
Es gibt was zu feiern: Die dritte Auflage von Psychopharmakotherapie griffbereit ist erschienen!

In der Psychopharmakotherapie tut sich jedes Jahr so viel, dass man nur mit einem aktuellen Buch wirklich up-to-date sein kann. Heute ist mein Buch Psychopharmakotherapie griffbereit in der dritten Auflage erschienen. Und die enthält jede Menge Neuerungen, Aktualisierungen und Überarbeitungen. Unter anderem neu sind Kapitel zu:
- Sertralin
- Milnacipran
- Trimipramin
- Spice
- Medikamentenwechselwirkungen
- Psychopharmaka und Schwangerschaft
- Sinnvollen Kontrolluntersuchungen.
Alle Kapitel sind aktualisiert worden. Das Kapitel zu Vortioxetin (Brintellix®) wurde gestrichen, da es auf dem deutschen Markt nicht mehr verfügbar ist.
Das Buch bleibt seiner ursprünglichen Idee treu, insbesondere Neueinsteigern in die Psychopharmakotherapie einen Überblick und eine gute Orientierung zu geben. Es ist aber auch zum Nachschlagen der häufig verwendeten Medikamente geeignet.
In jedem Kapitel werden zunächst die grundlegenden Therapieprinzipien dargestellt, dann werden ausgewählte Medikamente im einzelnen dargestellt. Bei jedem Medikament erkläre ich etwas zur Pharmakologie, zum klinischen Einsatz, zu unerwünschten Wirkungen, erkläre die Dosierung und die praktische Anwendung. Schließlich gebe ich zu jedem Medikament mein persönliches Fazit, dass dem Leser hilft, sich ein Bild vom beschriebenen Medikament zu machen.
Bei Amazon könnt ihr das Buch hier bestellen, bei Schattauer direkt hier.
(Heute ist die Kindle-Version noch nicht erhältlich; der Button verlinkt auf die Kindle-Version der zweiten Auflage, aber die dritte Auflage wird auch als e-Book kommen….)
„Psychotraumatologie“ von Dr. Thorsten Heedt
Ich bin ein bekennender Freund der „griffbereit“-Reihe des Schattauer-Verlages. Die „griffbereit“-Bücher stellen den klinisch relevanten Teil eines medizinischen Wissensgebietes so dar, dass man ihn praktisch wirklich anwenden kann. Die Bücher sind kompakt, so dass sie nicht nur theoretisch, sondern wirklich in die Kitteltasche passen und die Erklärungen sind jeweils gut verständlich.
In dieser Reihe ist nun das Buch „Psychotraumatologie: Traumafolgestörungen und ihre Behandlungen“ von Dr. Thorsten Heedt erschienen. Gerade dem Thema Psychotraumatologie tut der Ansatz gut, das Gebiet aus der Sicht des Praktikers darzustellen und konkrete Handlungsempfehlungen zu geben. Dabei ist das Buch von Dr. Heedt theoretisch sehr gut fundiert und stellt am Ende des Kapitels jeweils ausführliche Quellenangaben zur Vertiefung der dargestellten Inhalte zur Verfügung.
Das Buch schafft es hervorragend, den ja wirklich komplexen Stoff des Bereiches Psychotraumatologie mithilfe klarer Sprache und anschaulicher Bilder („Dissoziation ist gewissermaßen die krankhafte Variante des Tagträumens…„) sehr eindrucksvoll zu vermitteln. Ich kann es jedem Interessierten wirklich sehr empfehlen.
Das Buch findet ihr bei Amazon hier.
Welches Psychiatrie-Lehrbuch empfehle ich Ärzten in Weiterbildung zum Psychiater?
Es gibt einige gute Psychiatrie Lehrbücher auf dem Markt, und jeder muss für sich selbst dasjenige finden, das ihm nach Umfang, Aufmachung und Art am besten liegt. Für viele, die sich erst im Gebiet der Psychiatrie orientieren wollen, kann das auch ein gutes Kurzlehrbuch sein. Aber diejenigen, die Fachärztin / Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie werden wollen, sollten schon ein etwas ausführlicheres Buch lesen. Nun kenne ich auch nicht alle in Frage kommenden Psychiatrie Lehrbücher ganz genau, möchte aber gerne hier mal meine Top drei vorstellen:
Mein Platz 1: Psychische Erkrankungen: Klinik und Therapie von Mathias Berger
Den Berger habe ich nachweislich hier auf dem Blog schon 2012 als das lesenswerteste Psychiatrie Lehrbuch für Weiterbildungsassistenten empfohlen. Das hat sich seither nicht geändert, das Buch ist nur weiter besser geworden.
Vorteile: Es ist ein dickes Buch; 936 Seiten ungefähr im DIN A4 Format, da braucht man schon die fünfjährige Weiterbildungszeit, um es halbwegs durchzuarbeiten. Aber man muss ja auch nicht wirklich jedes Kapitel lesen…
Die Texte sind durchgehend gut lesbar gechrieben, ohne verschwurbelten Fachjargon, ohne übertriebene Faktenhorderei, Tabellenexzesse oder kursivfettfarbige Texteskapaden. Die Inhalte werden einfach verdammt gut erklärt. Und sie werden durchgehend im gesamten Buch darauf hin überprüft, in welchem Maße sie evidence-based sind. Gibt es ordentliche Studien, die eine Aussage stützen, wenn ja, welche, oder ist es einfach Herrschende Meinung? Das kann ja auch berechtigt sein, dann will ich es aber wissen.
Nachteile: Wenn man es liest, kann man fünf Jahre lang seinen Netflix-Zugang abschalten.
Online Zugang: Man erhält einen zeitlich begrenzten Zugang zu Elseviers Onlineportal Psychiatriewelt. Dort kann man auf das vollständige Buch sowie einige zusätzliche Materialien (Videos, neue Kapitel, etc.) zugreifen.
Seitenzahl: 936 Seiten
Auto-Vergleich: Jaguar XF
Quanta-costa? 159,99 €. (amazon-affiliate-link)
Mein persönliches Fazit: Wenn ich mich auf ein Thema vorbereite, nehme ich mir gerne den Berger zur Hand. Dann bin ich gut im Bilde, weiß, woher die aktuellen Therapieeinschätzungen kommen und weiß, wo ich weiterlesen müsste, um mehr zu erfahren. Für Ärzte in Weiterbildung zum Psychiater bleibt der Berger meine Empfehlung.
Mein Platz 2: Therapie psychischer Erkrankungen von Ulrich Voderholzer und Fritz Hohagen
Wir Psychiater haben die Internisten lange um ihren “Herold-Innere Medizin“ beneidet, der verlässlich wie ein schweizer Uhrwerk jährlich aktualisiert wird und stets den neusten Stand der Technik widergibt. Allerdings ist der Herold ungefähr so gut lesbar wie ein Telefonbuch, pro Quadratzentimeter Papier stehen da ungefähr 92 Fakten; niemand liest das, man schlägt nur was nach.
Vorteile: Der Voderholzer vereint praktisch das beste aus beiden Welten: Er kombiniert die gute Lesbarkeit eines Berger mit der Aktualität eines Herold. Und das geht so: Voderholzer und Hohagen sind die Herausgeber; die einzelnen Kapitel werden jeweils von echten Spitzenautoren für ihr Gebiet geschrieben, und zwar jährlich aktualisiert. Pünktlich zum DGPPN-Kongress im November (dieses Jahr als Weltkongress schon im Oktober…) erscheint die aktuelle Auflage. Die Texte sind gut lesbar, evidenzbasiert, leitlinienorientiert. Das Buch ist mit 585 Seiten auch nicht gerade dünn, aber immerhin fast halb so dick wie der Berger.
Nachteile: Einen Text im Berger zu lesen macht etwas mehr Spaß.
Online Zugang: Zeitlich begrenzter Zugang zu Elseviers Psychiatriewelt. Dort kann man auf das vollständige Buch sowie einige Zusatzinhalte zugreifen.
Seitenzahl: 585 Seiten
Auto-Vergleich: Der aktuelle VW Passat 2017
Quanta costa? 44,99 €. (amazon-affiliate-link)
Mein persönliches Fazit: Wenn jeder Weiterbildungsassistent 300 der 585 Seiten im Voderhölzer gelesen hätte, wären die Facharztprüfungen ein Traum…
Mein Platz drei: Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie von Möller, Laux, Deister
Vorteile: Unter Studenten ist die Duale Reihe sehr beliebt. Das Konzept ist, im inneren Teil der Seiten jeweils einen ausführlichen Fließtext zu haben, und am Außenrand jeweils Stichworte und sehr knappe Zusammenfassungen. So kann man Teile, die man zu kennen glaubt, querlesen, indem man sich einfach die Stichworte am Rand ansieht. Das verleitet etwas zum Geschwindigkeitsrausch, kurz vor der Prüfung ist das aber oft hilfreich. Insgesamt also ein mittellanges Lehrbuch auf Speed. Design und Layout sind modern.
Nachteile: Die Texte lesen sich manchmal schon etwas komprimiert. Die Darstellung erschient mir manchmal etwas unruhig und überladen.
Online Zugang: Über die Thieme eRef-App kann das ganze Buch online oder auf dem iPhone, iPad oder was auch immer gelesen werden. Auf der begleitenden CD gibt es Patientenvideos, allerdings unter einer etwas umständlichen Benutzer-Oberfläche.
Seitenzahl: 672 Seiten
Auto-Vergleich: Ford Fokus Turbo
Quanta costa? 49,99 €. (amazon-affiliate-link)
Mein persönliches Fazit: Für Studenten fünf Tage vor dem Examen, Weiterbildungsassistenten, die noch ein Leben außerhalb der Medizin haben und Angehörige anderer Berufsgruppen, die ein vollständiges, modernes Buch suchen, das eine schnelle Orientierung bietet, ist es sehr gut geeignet. Zum abendlichen Schmökern mit einem Glas Rotwein ist es ungeeignet. Aber so ließt ja eh niemand mehr Lehrbücher…
Welches Lehrbuch lest ihr?
Schreibt doch bitte mal in die Kommentare, welches Buch ihr lest und warum!
Buchempfehlung: Das Drogentaschenbuch
Ja ja, die Menschen stellen sich ja die unterschiedlichsten Sachen unter ihrem Weihnachtsbaum vor. Ich selbst mag gerne Schokolade, gut geschriebene Bücher über Psychopharmakologie, und alles Elektrische. In die zweite Kategorie gehört eindeutig das Drogentaschenbuch von Prof. Norbert Scherbaum aus Essen.
Es gibt einen guten und vollständigen Überblick über aktuelle Drogen, damit verbundene Krankheiten und Therapiemöglichkeiten. Das Buch zeichnet sich durch ein sehr hohes Maß an Praxisnähe aus. Die reichhaltige Bebilderung macht den Stoff gut zugänglich, und in jedem Kapitel wird sehr viel aus langjähriger Erfahrung gewonnenes konkretes Praxiswissen vermittelt. Zu den meisten Substanzen gibt es Abschnitte, die im Sinne von „safer use“ beschreiben, was man auch als Konsument wissen muss, um keine schwerwiegenden Komplikationen zu erleiden.
Interessant finde ich das Konzept, dass man zum Buch in der Papierform ohne weitere Zusatzkosten auch einen elektronischen Zugang über das Thieme-Portal eRef zum kompletten Buchinhalt hat. Das erfüllt meinen Wunsch, durch den Kauf eines Fachbuches zu einem Preis die gedruckte und die eBook-Variante zu erhalten. So hat man das beste aus beiden Welten kombiniert. Ein Papierbuch zum raschen Nachschlagen, ruhig lesen und zugleich den elektronischen Zugang über das Smartphone, Tablet oder Web, so dass man es von überall aus lesen kann. So soll es sein!
Das Buch liest sich locker und spannend, da braucht man gar keinen Roman mehr, zusammen mit der Schokolade bin ich jedenfalls versorgt.
Bei Amazon findet ihr das Buch hier (Affiliate-link).
Wie kaufst Du am liebsten ein Fachbuch?
Also bei Romanen und einmal zu lesenden Sachbüchern ist die Sache für mich klar: Ich kaufe sie ausschließlich als eBook. Aber bei Fachbüchern habe ich für mich noch keine Antwort gefunden. Will ich sie lieber als Papierbuch haben, und stelle sie mir im Büro ins Regal? Dann kann ich sie natürlich zu Hause nicht lesen, unterwegs nicht, eigentlich nirgends, wo ich mal Zeit habe, in Ruhe zu lesen. OK, manchmal hat man Glück und bekommt einen Rubbelcode, über den man dann eine Online-Version des Fachbuchs lesen kann. Wobei die bei mir gerne mal nicht funktionieren. Oder kaufe ich sie als eBook und lese sie auf dem iPad.
Ich wollte mal hören, wie ihr das so macht: Stimmt doch mal ab. Hier ist die Umfrage; und nachdem Du Deine Antwort eingegeben hast, kannst Du das Ergebnis sehen:
DocCheck hat eine iOS und Android-App für ihr Medizin-Lexikon „Flexikon“ rausgebracht
DocCheck ist ja so eine Mischung aus Facebook für Ärzte, dem medizinischen Teil der Wikipedia, der Ärzte-Zeitung und einem Gemischtwarenladen auf der Medica.
Die meisten Ärzte und viele im medizinischen System Tätigen kennen DocCheck, da man bei der Registrierung auf DocCheck, die jeder machen kann, auch zusätzlich angeben (und nachweisen) kann, dass man Arzt, Zahnarzt oder Apotheker ist; dann hat man unter anderem Zugriff auf die Online-Version der Roten Liste, die aus gesetzlichen Gründen im vollen Ausmaß auf diese medizinischen Berufsgruppen beschränkt ist. Das finde ich zwar in Zeiten der Transparenz völlig überflüssig, und irgendwelche geheimen Informationen finden sich dort auch nicht, es ist aber immer noch so. Kaufen kann die Rote Liste im Buchhandel allerdings jedermann.
DocCheck bietet aber auch eine Reihe weiterer Funktionen, darunter insbesondere die Möglichkeit, sich mit anderen Ärzten oder Experten auf bestimmten Gebieten durch Fragen und Antworten auszutauschen, das heißt DocCheck Ask. Hier stellen Ärzte zu einzelnen Patienten oder bestimmten konkreten Punkten online eine Frage, und andere Ärzte, die sich damit auskennen, beantworten die Frage. Das funktioniert unkompliziert und gut und ist gerade für Niedergelassene Ärzte, die alleine arbeiten, bei bestimmten Fragen eine gute Option.
Auf DocCheck news gibt es medizinische Nachrichten und einige medizinische Blogs, dieser Blog ist zum Beispiel immer mal wieder hier auf DocCheck vertreten…
Und dann gibt es das recht bekannte Flexikon, ein interaktives Medizinlexikon, das funktioniert wie eine Art Wikipedia für deutschsprachige medizinische Einträge. Gegenwärtig hat das Flexion 47.000 medizinische Einträge. Hier findet man zuverlässig alles, was man sucht. Lesen kann diese Einträge jeder, alle registrierten DocCheck-Mitglieder können die Einträge auch selbst ändern, aktualisieren oder neue Einträge hinzufügen.
Und dieses Flexion hat nun eine kostenlose iOS- und Android-App bekommen, auf der man Einträge suchen und lesen, und sogar auch editieren kann. Die App habe ich ausprobiert und finde sie sehr praktisch, für mich hat sie einen verdienten Platz in meinem Ordner „Medizin“. Laden könnt ihr sie hier.
PsychCast !

Es gibt spannende Neuigkeiten!
Zusammen mit meinem Freund Alexander Kugelstadt habe ich vor wenigen Wochen ein neues Projekt gestartet, das heute das Licht der Internet-Welt erblickt: Wir haben begonnen, einen Podcast aufzunehmen!
Alexander ist Arzt im Bereich der Psychosomatik und Journalist, ich selbst bin ja Psychiater. Da die beiden Fachbereiche eng bei einander stehen und doch oft völlig verschiedene Welten repräsentieren, ergibt sich schon daraus oft eine interessante Spannung. Im Podcast unterhalten wir uns über jeweils ein psychiatrisches / psychosomatisches / psychotherapeutisches oder irgendwie verwandtes Thema, das wir aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. In der ersten Folge geht es ganz passend um das Thema „Kommunikation„. Die zweite Episode, die wir in etwa zwei Wochen veröffentlichen wollen, hat das Thema „Stationäre Psychotherapie„.
Wir haben den Podcast auf den Namen PsychCast getauft und laden Euch alle ein, dem PsychCast zu folgen und sehr gerne auch Fragen, Vorschläge, andere Meinungen und euer Feedback einzubringen. Wie dieser blog ist der PsychCast nicht als Ein-Weg-Veranstaltung gedacht, sondern als ein öffentlicher Austausch!
Ihr findet den PsychCast unter www.psychcast.de. Dort könnt ihr die Episode gleich ohne Umwege auf der Webseite hören. Oder ihr abonniert über den button dort den feed. Oder ihr tragt in den PodFetcher eurer Wahl einfach folgende feed-Adresse ein: http://psychcast.de/?feed=mp3.
Wie auch immer ihr den PsychCast hört: Alexander und ich wünschen Euch viel Spaß dabei und sagt uns eure Meinung dazu!
Wer kennt die KhanAcademy?
Ich hatte schon mal was über die KhanAcademy gehört, aber bislang noch nicht darin gestöbert. Im entsprechenden Wikipedia-Artikel kann man nachlesen, dass Salman Khan, der Gründer der Organisation, Ende 2004 begann, seiner Cousine Nadia mithilfe des Doodle Notepads von Yahoo! Nachhilfe in Mathematik zu geben. Daraus sind inzwischen über 4000 Lehrvideos von sehr viel mehr Lehrern zu allen möglichen Themengebieten geworden. Schwerpunkte liegen in der Mathematik, verschiedenen Naturwissenschaften wie Biologie, Physik, Medizin, Wirtschaft, Künste, Computerwissenschaft sowie einer Vielzahl weiterer Fachgebiete. Einige der Videos sind auch auf Deutsch verfügbar. Alle Videos sind über die Webseite oder direkt in Youtube frei zugänglich und dauerhaft kostenlos. Sie werden ähnlich der Wikipedia von freiwilligen Autoren erstellt; die Technik wird von Spenden finanziert. Inzwischen gibt es auch eine iPad App.
Ich finde das Konzept sehr sehr zukunftsweisend. iTunes U bietet ja überwiegend Hochschulvorlesungen an. Die Khan-Academy bietet niederschwelliger Lehrvideos an, auch zu Schulthemen.
Hat jemand von Euch schon einige Kurse verfolgt? Hat jemand Erfahrungen damit? Was haltet ihr von dem Konzept der Khan Academy?
Die KBV hat eine bundesweite Famulaturbörse für Praxen eröffnet
Famulaturen sind eine exzellente Möglichkeit, sich einen bestimmten Bereich der Medizin mal ganz in Ruhe und wirklich aus der Nähe anzusehen. Bevor sich ein Arzt entscheidet, zum Beispiel in der Urologie anzufangen, hat er mit Sicherheit vorher als Student mal eine 4-wöchige Famulatur in der Urologie gemacht. Gegenwärtig finden fast alle Famulaturen in Kliniken statt. Das ist so gewachsen und wird kaum hinterfragt. Dabei ist es vor der Spezialisierung auf einen bestimmten Bereich sehr wichtig, zu sehen, wie dieser Bereich später in der Niederlassung aussehen würde. StudentInnen, die sich beispielsweise für Gynäkologie interessieren, machen typischerweise erst mal eine Famulatur in einer gynäkologischen Klinik. Wenn die Entbindungen und die vielen Operationen sie faszinieren, spezialisieren sie sich vielleicht auf Gynäkologie und Geburtshilfe. Wenn sie sich dann aber niederlassen, sieht der Arbeitsalltag ganz anders aus.
Dazu kommt, dass die Ärzte in den letzten Jahren immer stärker dazu neigen, in Kliniken arbeiten zu wollen, und es für frei werdende Praxen immer schwieriger wird, einen ärztlichen Nachfolger zu finden.
Es ist daher ein kluger Zug, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung eine bundesweite Famulaturbörse für niedergelassene Praxen aller Fachrichtungen eröffnet hat. So können sich Medizinstudenten schon während des Studiums einen guten Eindruck davon verschaffen, wie das Leben zum Beispiel als niedegelassener Hausarzt, niedergelassener Chirurg oder niedergelassener Augenarzt so aussehen würde.
Bislang haben sich noch nicht viele Psychiatrische Praxen eingetragen. Famulanten sind aber eine echte Bereicherung. Wer eine Platz in irgendeinem Fachbereich sucht oder einen Platz anbieten kann, der ist unter www.famulaturboerse.lass-dich-nieder.de genau richtig.
Zur Famulaturbörse geht es hier.
Niedergelassene Ärzte, die Famulaturplätze anbieten, registrieren sich hier.
Dyslexie: Diese Schriftart können Legastheniker besser lesen
Im englischsprachigen Raum wird der Begriff der dyslexia am ehesten so verwendet, wie bei uns der Begriff der Leseschwäche, dem einen Teil der Lese-Rechtschreibschwäche oder Legasthenie. Die Betroffenen haben Probleme, Buchstaben und Worte zu lesen und sie mit dem gemeinten Begriff in Verbindung zu bringen. Oft ist auch die Fähigkeit zu schreiben beeinträchtigt.
Der dänische Designer Christian Boer, der selber unter Legasthenie leidet, erklärt, dass Menschen mit Legasthenie Buchstaben eher als dreidimensionale Objekte wahrnehmen und daher leicht durcheinander kommen, wenn unterschiedliche Buchstaben das Spiegelbild von einander sind wie b und p oder W und M. Er hat daher eine Schriftart entworfen, in der die Buchstaben unten etwas dicker sind und so verändert, dass sie sich weniger ähneln. Menschen mit Legasthenie könnten sie daher besser lesen.
Schaut euch das Video an, das die Unterschiede zu den gängigen Schriftarten erklärt:
Das Projekt hat bereits große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. So erschien es auf der Titelseite des Scientific American und erreichte einige Nominierungen für verschiedene Innovationspreise; es gewann den ersten Preis des „Smart Urban Stage“, eines europäischen Projektes, das zukunftsweisende Konzepte auszeichnet. Es gibt zumindest auf dänisch schon Bücher, die in dieser Schriftart geschrieben sind.
Die Schriftart heißt „Dyslexie“. Sie ist für den privaten Gebrauch kostenlos und hier zu laden.
Der Mann, der sich in die Zebrafrau verliebte
Kennen sie Oliver Sacks? Vielleicht einen seiner berühmtesten Titel: “Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte”? Oliver Sacks ist Neurologe und beschreibt in kasuistischer Form einzelne eindrucksvolle neurologische Krankheitsbilder, die er im Verlaufe seiner Tätigkeit erlebt hat. Sie geben uns einen tiefen Eindruck in die Komplexität des Gehirns, aber auch in die kontraintuitiven Wege, die sich manche Krankheiten so wählen. Und das ist sehr lehrreich.
Kennen sie solche Falldarstellungen auch aus dem Bereich der Psychiatrie? Noch nicht? Ich kannte bislang auch noch nichts vergleichbares. Auftritt des neuen Buches von Peter Teuschel: Der Mann, der sich in die Zebrafrau verliebte!
In diesem Buch beschreibt Peter Teuschel acht Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen, die er im Laufe seiner Behandlungen kennen gelernt hat. Mir gefiel besonders gut die Geschichte von Alois, einem mit seiner Frau einsam in einem Waldhaus lebenden alten Bayern, der aus später aufklärbaren Gründen für wahr erkennt, dass er “von den Bambergern in den Frillensee g´schmissn werden soll”. Auf die Frage “Warum? antwortet Alois: ”Ja mei. Rache halt". Seine Frau weiß schon länger von der Sache…
Die Sache hat eine psychiatrische Erklärung. Und eine teils psychiatrische, teils rein menschliche Behandlung…
Die Beschreibung der Patienten ist ausnehmend respektvoll und liebevoll geschrieben. Die Geschichten sind zum einen lehrreich, zum anderen auch einfach faszinierend und unterhaltsam. Ich habe sie sehr gerne gelesen. Ein prima Weihnachtssgeschenk, dann aber eher als broschiertes Papierbuch als die kindle-Version…
Psychopharmakotherapie griffbereit jetzt auch als iBooks- und kindle-Version verfügbar
Ich selbst bevorzuge ja immer und überall eBooks gegenüber Papier-Büchern. Hauptsächlich, weil ich ein Papierbuch genau nie dabei habe und ein eBook genau immer. Ich habe mir berichten lassen, dass sich im Bereich der Romane die eBooks auch zunehmend durchsetzen, im Bereich der Fachbücher aber immer noch die Papiervariante bevorzugt wird. Wie dem auch sei, ab jetzt könnt ihr für Psychopharmakotherapie griffbereit selbst entscheiden, welches Format ihr bevorzugt: Es ist ab jetzt auch als Kindle-Version und für Apple-Junkies als iBooks-Version erhältlich. Wie üblich gibt es eine kostenlose Leseprobe über die ersten etwa 50 Seiten, so dass ihr mal reinlesen könnt, bevor ihr euch entscheidet, ob das Buch für euch interessant ist.
In diesem ausgewählten Fall mag ich allerdings alle drei Varianten… 🙂
Psychiatrie to go proudly presents: Psychopharmakotherapie griffbereit
Treue Leser dieses blogs wissen, dass ich schon seit mehreren Jahren an einem Buch schreibe, dass eine praxisnahe Einführung in die Psychopharmakotherapie gibt. Die erste Auflage habe ich vor etwa zwei Jahren selbst als iBook in den iBooks Store eingestellt, es folgten Versionen für den Kindle und auch ein selbstverlegtes Buch, das über Amazon zu beziehen war.
Ich habe das Buch ständig überarbeitet, aktualisiert und in den letzten Jahren vier größere Neuauflagen geschrieben.
Im Frühjahr trat dann zu meiner großen Freude der Schattauer-Verlag auf mich zu und bot mir an, das Buch zu veröffentlichen. Als ich den Vertrag unterschrieb, wußte ich noch nicht, wie viel Arbeit der Verlag in die Weiterentwicklung des Buches investieren würde und wie viele Überarbeitungen ich noch machen würde.
Meine Lektorinnen Dr. Julia Fiedler und Claudia Ganter redigierten jedes einzelne Wort und motivierten mich immer wieder, einzelne Absätze, Abschnitte oder Kapitel umzuschreiben, um sie verständlicher und vollständiger zu machen. Auch habe ich noch eine ganze Reihe an praktischen Fallbeispielen eingebaut. Das professionelle Layout und die komplett neu gestalteten Grafiken runden das Buch ab. Nun ist es um Längen besser als je zuvor und wird vom Schattauer Verlag als gedrucktes Buch, als kindle-Edition, als iBooks-Edition und als PDF vertrieben. Auf Amazon könnt ihr es ab heute hier bestellen.
Vom Antipsychotikum bis zur Z-Substanz: Die Vielfalt der Substanzen, die Einfluss auf das Gehirn nehmen können, ist groß. Psychopharmaka sind die am häufigsten verordneten Medikamente. Jan Dreher, leitender Oberarzt am Alexianer Krankenhaus Köln, gibt einen praxisorientierten Überblick über Auswahl, Dosierung, Pharmakologie und Nebenwirkungen der wichtigsten Psychopharmaka. Ebenso beschreibt er, was man in der Klinik über die Wirkung von legalen und illegalen Drogen und die medikamentösen Therapiemöglichkeiten in der Entzugsbehandlung wissen muss. Die Kapitel zu den Themen Gerontopsychiatrie, psychiatrische Notfälle und Wechselwirkungen runden das Werk ab. Der Autor vermittelt nicht nur Praxiswissen, er bringt auch seine langjährigen persönlichen Erfahrungen ein. Ein ideales Buch für die Kitteltasche von Studierenden und Assistenzärzten, aber auch für Psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten, Hausärztinnen und -ärzte, Krankenpflegepersonen und Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in psychiatrischen Kliniken.
Der Zettelkasten 2.0 ist da!

- Man nehme einen Schuhkarton und unterteile ihn mit Trennblättern in fünf gleich große Fächer.
- Man nehme Karteikarten. Auf diese schreibe man auf die eine Seite einen Begriff oder eine Frage und auf die Rückseite die Erklärung beziehungsweise Antwort.
- Man stelle neue Karten ins erste Fach.
- Man gehe jeden Tag alle Karten durch. Kennt man die Antwort, stellt man die Karte ein Fach weiter nach hinten. Kennt man sie nicht, stellt man die Karte ein Fach weiter nach vor. Ist sie schon im ersten Fach, bleibt sie dort.
- Karten im fünften Fach hat man also fünf mal hintereinander richtig gehabt, die kann man archivieren. (oder wegwerfen).
- So kann man alles lernen.



