Der Gang ist das EKG des Gehirns
Der Gang ist ein sensibler Biomarker für die Funktion und Dysfunktion zentralnervöser Netzwerke und zugleich ein klinisches Fenster in die Gehirnfunktion. Die Kontrolle des Gangs erfordert die Integration motorischer, sensorischer und kognitiver Prozesse, die in weitreichenden Hirnnetzwerken lokalisiert sind, einschließlich des Frontalhirns, der Basalganglien, des Kleinhirns und der spinalen Strukturen. Veränderungen des Gangs können bereits frühzeitig prodromale Hinweise auf sonst noch inapparente progressive neurologische Erkrankungen geben.
- Snijders, A. H., van de Warrenburg, B. P., Giladi, N., & Bloem, B. R. (2007). Neurological gait disorders in elderly people: clinical approach and classification. Lancet Neurology, 6(1), 63–74. https://doi.org/10.1016/S1474-4422(06)70678-0
- Takakusaki, K. (2013). Neurophysiology of gait: from the spinal cord to the frontal lobe. Movement Disorders_: Official Journal of the Movement Disorder Society_, 28(11), 1483–1491. https://doi.org/10.1002/mds.25669
- Nonnekes, J., Post, E., Imbalzano, G., & Bloem, B. R. (2025). Gait changes with aging: an early warning sign for underlying pathology. Journal of Neurology, 272(4). https://doi.org/10.1007/s00415-025-12995-4
Das ist eine Klinische Perle – ein kurzer, prägnanter Satz, der eine bewährte klinische Wahrheit auf den Punkt bringt. Ein Satz, bei dem man sofort denkt: Ja, genau so ist es.
Kennt ihr die Bücher 101 Rettungsdienst Perlen und 101 Anästhesie Perlen von Dr. Mark Weinert? Ich habe beide letztes Jahr in der Weihnachtszeit gelesen und fand beide super. Das Konzept: 101 Aphorismen – kurze Lehrsätze, die klinische Erfahrung destillieren. Zu jeder Perle gibt es eine Erklärung, was gemeint ist, und eine Einordnung der wissenschaftlichen Evidenz.
Nach einem Austausch mit Mark war klar: Das braucht auch die Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie. Also schreiben Mark Weinert, Kai Gruhn und ich zusammen genau so ein Buch – 101 Klinische Perlen aus Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie.
Und hier kommt ihr ins Spiel.
Habt ihr einen Satz, der euch durch die Klinik begleitet? Eine Erkenntnis, die ihr Kolleg:innen weitergebt? Einen Lehrsatz, den euch ein Oberarzt, eine Supervisorin oder ein Patient beigebracht hat? Schreibt eure Klinische Perle in die Kommentare – sie könnte es ins Buch schaffen.
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Lieber Jan,
Ich habe einen solchen Satz von meinem ersten OA in der Psychiatrie gelernt, bezweifle jedoch stark den Nutzen für dein Buchvorhaben:
Wenn 2 Ärzte der gleichen Meinung sind, ist einer von beiden kein Arzt.
Ein weiterer:
Ich glaube keiner Studie, die ich nicht selbst gefälscht habe.
Gut, nicht?
Grüße
Marcel
Lustig sind sie auf jeden Fall, und wahr auch. Mit dem Buch ist so ne Sache…:-)
Ich pflege zu meinen Patienten zu sagen: Medikamente sind keine Lösung, sondern nur eine Krücke.
2 Sätze von meiner ehemaligen OÄ:
1) Wenn Du einen Pat. nicht magst, schau Dir seine Biographie an
2) Trauma Typ 1: Hühnersuppe, Hühnersuppe, Hühnersuppe
(Stabilisieren, Stabilisieren, Stabilisieren)
„Hör auf Dein Bauchgefühl – es ist kein unwissenschaftlicher Hokus Pokus, sondern Intuition die kumulativ alle Deine beruflichen Erfahrungen enthält.“ Soll heißen: Wenn Dir etwas komisch vorkommt, Du das Gefühl hast bei dem was der Patient Dir berichtet fehlt noch ein Puzzlestück, irgendwas passt nicht zusammen; dann sei wachsam, frag nach und ’safety first‘. Hab schon oft erlebt, dass man etwas ganz Subtiles fachlich anfangs nicht richtig zu fassen bekommen hat und das oft belächelte Bauchgefühl einem die richtigen Hinweise gegeben hat; Stichwort Red Flags.
👍
Hallo, eine gute Idee, solche Perlen zu sammeln und zu würdigen.
Ein Satz, der mich das ganze Studium über begleitet stammt von Prof. Putz. Anfang der 90er in Freiburg im Anatomie Präp. Kurs: „Man sieht nur, was man weiß“. Eigentlich banal. Jedoch im Präp. Kurs nicht unwesentlich. Der Satz sollte uns bewahren, Strukturen aus Unkenntnis zu zerstören…Dieser Satz hat sich eingeprägt. Ich arbeite in der Psychosomatik und Psychotherapie und Psychiatrie. Auch hier hilft er mir zu erkennen, zu deuten und weiterzudenken.
Liebe Grüße, Andreas Kalwa
Vielen Dank! Das ist ein Satz, an den ich auch immer wieder denke!👍
Hallo Jan,
ich finde die Idee toll! Ich denke hierbei an folgende Sätze denken, die mein erster OA mir mitgegeben hat:
1) „Der Depressive merkt selbst als letzter, wenn die Depression sich bessert“
2) „10:10 kann im Dienst dein Retter in großer Not werden“ (wobei man sicher darüber streiten kann, ob es immer direkt 10 mg Haloperidol + 10 mg Diazepam bei akuten Erregungszuständen sein müssen…)
3) „Halte immer mindestens eine Beinlänge Abstand zum Patienten, sei näher an der Tür und behalte den Patienten zu jeder Zeit im Blick“
4) „Im Notfall: Alarm auslösen – Personalpräsenz kann dir den Hintern retten“
Viele Grüße
Annika
Super, vielen herzlichen Dank!
„Asperger – kennst Du einen, kennst Du einen“. Gilt sicher für vieles, aber trotz aller typischen/ nach Lehrbuch/ Diagnose- Verhaltensweisen hat jeder Mensch eine eigene innere Logik. Wenn man die nicht nachvollziehen kann (leider auch manchmal will), wird man ihn nicht erfolgreich behandeln können. Bei Asperger und Autisten freilich ist die persönliche innere Logik für andere auch nach langer Erfahrung und gutem persönlichen Kennen schwer vorherzusagen, die laufen mit einem anderen Betriebssystem.
👌
Moin, ein Satz, den ich vor einigen Jahren eine furchtbar aufgeregten, wirklich zappeligen Assistenzärztin bei ihrem erste Krampfanfall (freundlich, sonst bringt’s ja nix) sagte: „nicht rumzappeln, es reicht, wenn der Patient das gerade tut“ – wurde als running Gag zu „nicht hysterisch werden, reicht wenn der Pat. es grad ist!“ usw. Ich weiß, ist n büschn flapsig, bringt aber ab und an durchaus Ruhe rein.
herzliche Grüße