Wie man einen Totenschein korrekt ausfüllt, bringt einem niemand bei. Irgendwann ruft die Pflege nachts an, ein Patient ist verstorben – und Du bist die Ärzt:in im Dienst. Offiziell heißt das Formular Todesbescheinigung, und es ist keine Formalität, sondern eine amtliche Urkunde, und vor Gericht kann sie später eine wichtige Rolle spielen.
Dazu gibt es jetzt ein neues Video in meinem Videokurs. Hier sind die wichtigsten Punkte zum Nachlesen – am Beispiel der Todesbescheinigung NRW. Das Leichenschaurecht ist Ländersache: Andere Bundesländer haben andere Formulare, die Logik ist aber überall dieselbe.
Erst schauen, dann schreiben
- Nur bei sicheren Todeszeichen: Totenflecke, Totenstarre, Fäulnis oder mit dem Leben nicht vereinbare Verletzungen. Kein Puls und keine Atmung reichen nicht. Beim erwarteten Tod auf Station darfst Du warten, bis sichere Zeichen da sind.
- An der vollständig entkleideten Leiche. Von vorne und von hinten, einschließlich Rücken, behaarter Kopfhaut und aller Körperöffnungen. Das aktuelle Formular fragt ausdrücklich danach – und Du musst ehrlich ankreuzen.

Das wichtigste Kreuz: die Todesart
Gefragt wird nicht „natürlich oder nicht?“, sondern: Gibt es Anhaltspunkte für äußere Einwirkungen, die den Tod zur Folge hatten? Dazu zählen Suizid, Unfall und Tötungsdelikt – auch wenn sie den Tod nur mitverursacht haben, und ausdrücklich auch Spättodesfälle nach einer Verletzung.
- Natürlich kreuzt Du nur an, wenn eine bekannte Erkrankung den Tod erklärt. „Ich habe nichts gefunden“ ist kein Beleg.
- Ungeklärt ist keine Anschuldigung, sondern eine ehrliche Antwort. Der plötzliche Tod eines jungen Patienten unter Clozapin ist erst einmal ungeklärt.
- Der häufigste Fehler: Sturz, Schenkelhalsfraktur, drei Wochen später Pneumonie, Tod. Das ist ein nicht natürlicher Tod – die Pneumonie ist Folge des Unfalls.
Bei ungeklärter oder nicht natürlicher Todesart gilt: Leichenschau abbrechen, Polizei informieren, nichts verändern. Und kein Kreuz ändern, weil jemand drängt.
Die Todesursache als Kausalkette
Im vertraulichen Teil trägst Du die Todesursache nach den Regeln der WHO ein – von oben nach unten gelesen heißt es jeweils „ist die Folge von“:
- I a Aspirationspneumonie (Tage)
- I b Schluckstörung (Monate)
- I c Alzheimer-Demenz (Jahre) – das Grundleiden
Das Grundleiden steht ganz unten, und es geht in die Todesursachenstatistik ein. In der Psychiatrie ist es oft unsere Diagnose: Demenz, Alkoholabhängigkeit, Schizophrenie. Nicht in Zeile I a gehören Herz-Kreislauf-Versagen, Atemstillstand oder Altersschwäche – das sind Endzustände, die jeder Verstorbene hat. Lieber eine ehrliche Lücke als eine erfundene Kette.
Grüner und roter Umschlag

- Blatt 1 (grün, nichtvertraulich) kommt in den grünen Umschlag und geht über den Bestatter ans Standesamt.
- Blätter 2 bis 4 (vertraulich) kommen in den roten Umschlag, zugeklebt, und gehen ungeöffnet ans Gesundheitsamt.
- Blatt 5 bleibt bei Dir bzw. in der Akte.
Und noch ein Klassiker: Todeszeitpunkt und Untersuchungszeitpunkt sind zwei verschiedene Felder. Der Tod war um 9:10 Uhr, Deine Leichenschau vielleicht um 12:10 Uhr – beides gehört an seine eigene Stelle.
Das ganze Formular, Feld für Feld, im Videokurs
Im Video fülle ich einen Totenschein gemeinsam mit Dir aus – Feld für Feld, mit Ausschnitten aus einem ausgefüllten Muster, den Sonderfällen aus der Psychiatrie und allem, was in den Umschlag gehört. Das vollständige Video gibt es nur im Videokurs Psychopharmaka, mit einem ausführlichen Text zum Nachlesen unter dem Video.
Der Kurs geht systematisch durch alle wichtigen Wirkstoffgruppen – und enthält Kapitel, die es auf YouTube nicht gibt, weil sie vor allem Ärztinnen und Ärzte im Stationsalltag brauchen: Rezepte und BtM-Rezepte richtig ausstellen, der Lorazepam-Test bei Katatonie – und jetzt eben auch der Totenschein.
Zum Videokurs Psychopharmaka →
Stand: 22.09.2026
Hinweis: Dieser Text dient der Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind das Bestattungsgesetz Deines Bundeslandes und die dazugehörige Ausfüllanleitung der Todesbescheinigung.
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